The Boiler

»Body=Death«

Cut Surface

Tritt ein in das düstere Licht! Kristina Pia Hofer, Musikerin, Medientheoretikerin und Aktivistin in Wien = Ana Threat = The Boiler. Dabei kommt The Boiler wie der düstere Zwilling von Ana Threat daher und ich bin schon fast geneigt, »Cold Love« und »Body=Death« in einem ähnlichen Spannungsverhältnis zueinander zu sehen wie Iggy Pops Platten »Lust for Life« und »The Idiot«. Wo ersteres Album noch die Lebendigkeit der Punk-Gitarre verströmt, macht sich auf zweiterem nun die Verhaltenheit synthetischer Sounds breit. Wie schon im letzten skug-Interview erläutert, soll den Unterschied zwischen beiden Projekten zum einen die Verwendung unterschiedlicher Instrumente ausmachen – bei Ana Threat dominieren die Instrumente des Rock, während The Boiler auf das Arsenal der elektronischen Klangerzeugung vertraut – und, im Falle von The Boiler, zum anderen die Zusammenarbeit mit einem Techno-Produzenten. Das Ergebnis, »Body=Death«, wurde nun als erster Longplayer unter dem neuen Namen The Boiler veröffentlicht.

Die Seele ist also dieselbe, der Körper ein anderer. Und das ist unverkennbar: Die ungestüme Kraft des Punk und der DIY-Kultur strömen auch durch dieses Machwerk! Sechs starke Tracks sind nun also hauptsächlich mithilfe von Philicorda-Orgel, Tapedecks und 4-Spur-Bandmaschinen, statt mit der sonst gewohnten E-Gitarre, eingespielt worden. Experimentierfreude kommt hier dann auch nicht zu kurz: Mit dem Opener betreten wir das Szenario dieser dunklen Platte: »Enter the drab light« strömen uns da die Vocals zu langgezogenen Akkorden und einem stoischen Beat entgegen. »Control« wiederum ist ein 12-minütiger Cold-Wave-Track von vulnerabler Schönheit … und die ohnehin schon filigrane, dünne Struktur wird hier bis selbst in die Vocals immer wieder gestört. Ein wunderschön beklemmender Traum von Musik! »Total care« kickt dann nach vorne: »Total care for total control« wird hier als Parole zu hämmernden Beats herausgeschleudert. Sorge um den Körper und Körperkontrolle als zwei sich widerstrebende Tendenzen unserer Crux mit dem Körper, der uns stets unsere Vergänglichkeit wie unsere sexuellen Begierden vergegenwärtigt.

»Body=Death«: Einen Körper haben, ist der Tod, denn es ist immer auch, dieser zu sein. Körper haben, Leib sein. »Das Ärgerliche ist, dass es Körper gibt und, schlimmer noch, Geschlechter«, schreibt Louis Althusser, der Begründer der modernen Subjekt-Theorie an mehreren Stellen in seiner Autobiographie. Der Körper als Gefäß, in dem ich gefangen bin: »I was born in a bag full of shit!«, dröhnt es da zu hämmernden Beats. Abschütteln können wir ihn nicht und es ist ein gesellschaftlich großer Unterschied, in welchem Körper ich geboren werde: weiblich oder männlich. Eine Variation des Themas von Tuxedomoons »No Tears« beschließt dieses dunkle Album, das das Thema der Körperlichkeit dermaßen in den Mittelpunkt stellt. Keine Tränen, keine Ängste: »Try to shake in comfort« …