David Grubbs & Susan Howe

»Souls Of The Labadie Tract«

Blue Chopsticks

Professor Grubbs liefert die Töne zu einer Poesie-Lesung, die inhaltlich weit außerhalb meiner kognitiven Reichweite liegt. Ich weiß, dass nur ein Idiot sein Unvermögen herausposaunt, aber Schande, wem Schande gebührt. Den Infowisch hab ich auch verschmissen, ein letzter Erinnerungsfetzen die Labadie-Sache betreffend … Huch, steht eh alles im Booklet! Also es handelt sich da um eine Quietisten-Sekte, die ihr niederländisches Büro aufgab und sich im Gebiet des heutigen Maryland ansiedelte, genannt Labadie-Tract. Von etwa 1684 bis 1722 lief diese Community, die alles teilte (auch Kinder) und sich mit Handel und Ackerbau über Wasser hielt. Die Mitglieder waren hauptsächlich damit beschäftigt, innere Ruhe und intellektuelle Stabilität zu finden. Susan Howe spürt nun diese längst vergessenen Seelen höchst poetisch auf und streut deskriptive Passagen ein, die für den Durchschnitts-Nicht-Native-Speaker ein schwerer Brocken Wortsalat sind. Grubbs liefert dazu Harmonium-ähnliche Sounds via exotische Maultrommeln und lässt Synthesizer an der Grenze zum Totalmissbrauch röcheln. Wer weitere Beweise braucht, es hier mit einem Visionär allererster Kajüte zu tun zu haben, kann sich auch die wieder aufgelegte erste Single von Gastr Del Sol besorgen, die das Prager Label Minority als durchsichtiges Vinyl in eine Klarsichthülle gesteckt hat.