LeRoy

»SKLÄSH«

Schamoni Musik

Tja, da schaut man einen kurzen Moment weg, und schon hat sich der Münchner LeRoy vom lokal (und in Montreal*) geachteten Edits-DJ zum international gefeierten Produzenten gemausert. Band of the week im »Guardian«, Vorab-Album-Stream bei »The Quietus« und »Spex«, begeisterte Besprech- ungen all over the place. Manchmal gehen die Dinge eben doch noch gerecht zu. Denn »SKLÄSH« ist wirklich »eine Substanz, schmeißt man sie ein, ist man drin«; da hat der Promo-Zettel recht: Mit leiernden Gitarren, federleichten Beats und einem Herbarium seltener, getrockneter Samples geht’s an den Strand. Ein sehr angenehmer Trip, der aber jederzeit kippen kann, daran erinnern immer wieder die traurig bis verzweifelt klingenden Gesänge, verhallte Geräusche aus dem Nirgendwo und Geister- stimmen aus einer anderen Zeit.

Lässt man solche tausendfach bemühten Trip-Vergleiche beiseite, könnte man auch einfach von Hypnagogic Pop für den Dancefloor sprechen. Denn bei aller Euphorie, die die Songs versprühen, erzählen sie auch von der Trauer um eine verlorene Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die aber immerhin die Erinnerung daran wachhält, dass es da mal eine Alternative zum Jetzt gegeben hat, und also auch in der Zukunft wieder geben könnte. LeRoy bringt diese Geister der Vergangenheit in fast jedem Song zum Tanzen, statt sie nur durch die Ruinen schlurfen zu lassen. Mit der gleichen Lässig- keit geht er an die Sache mit den im Albumtitel versteckten Clash heran: So, als würde das alles schon immer zusammengehören, prallen auf »SKLÄSH« Karibik und Krautrock, Techno und Folk aufeinander. (Letzterem hat LeRoy aka Leo Hopfinger erst letztes Jahr mit seiner Band Das Hobos ein melancholisches Denkmal gesetzt.) Auch die Arbeitsweise von LeRoy entspricht diesem Clash, sorry, Skläsh, bei der er selbst Eingespieltes mit Samples mixt und immer wieder andere Songschnipsel und Field Recordings beimischt. Was der Titel von Guy Debords letztem Film, »Wir irren des Nachts im Kreis umher und werden vom Feuer verzehrt,« der auf die Schallplatte gedruckt ist, mit all dem zu tun hat, darüber sinniert am besten jede/r selbst beim Tanzen zu diesem fantastischen Album.

* Und zwar von Émilie Gendron, die von Montréal, Kanada aus in ihrem Fan-Blog #munich again keine gute Platte aus München unerwähnt lässt.