Drahdiwaberl

»Sitzpinkler«

planet.tt

Kuschelrock für das sanfte Gemüt, so in der Presseaussendung der neuen Drahdiwaberl CD »Sitzpinkler« zu lesen, ist wohl kaum die passende Beschreibung für das Werk der Mannen um Bandleader Stefan Weber. Viel mehr geht es wie immer ums Eingemachte. Das Album besteht aus zwölf Tracks, die sich in gewohnt derber Sprachfärbung mit Themen beschäftigen, die die ÖsterreicherInnen und im Speziellen die WienerInnen – oder besser gesagt die Welt – bewegen. Das Ganze wird, wie gewohnt, getragen von brachialer Gitarrenmusik. Eine Huldigung an Jimi Hendrix darf dabei mit »Heast Franz« (eh scho wissen) nicht fehlen. Vom Titelsong »Sitzpinkler«, sozusagen einer Liebeserklärung an die Schrammelmusik und das goldene Wienerherz, bis hin zu »Parkinson Blues«, in dem sich Stefan Weber auf seine Art und Weise mit seinen persönlichen Problemen auseinander setzt, bietet »Sitzpinkler« Drahdiwaberl pur. In Würde alt werden ist nichts für diese Band, und dass ist gut so.
MH

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Ich habe auch »Plöschberger« gesungen. Laut und kräftig und habe die Amis immer bemitleidet, dass diesem armen Volk nur »School’s Out« von Alice Cooper als Antischulehymnenlieferant zur Verfügung steht, denn »Plöschberger« ist einfach besser. Inzwischen sind einige Monate vergangen, Stefan Weber leidet an Parkinson, aber die Metalriffs und die Lust am Holzhammer sind geblieben. Eigentlich ist alles wie immer, und natürlich sind sich alle Beteiligten der Gefahr bewusst, dass man dann leicht zur Institution erklärt wird, und solche sind sowieso Scheiße. Aber das Leben schlägt nun einmal Haken und lässt sich durch Drahdiwaberl-Reime wie »Wer braucht Abfangjäger/Wer braucht das Bundesheer/Verkauf ma’s Klumpert/Ham keine Schulden mehr/Niemand muss mehr hungern/Auf der Straße lungern« auch nicht davon abbringen. Aber etwas ist diesmal doch anders: Im »Parkinson Blues« lässt Drahdiwaberl-Übervater Stefan Weber die Hosen runter und kämpft noch einmal in grandioser Weise mit sich und dem was sich in seinem Körper abspielt. Ihm ist klar, dass es nichts zu gewinnen gibt, aber solange man kämpfen kann ist wenigstens nicht alles verloren. Hier in diesem Song ohne die üblichen Schmähparaden werden Weber und seine Helfer wieder gegenwärtig.
GBS