Enesi M. © Msteazah, Grafik: Kathi Arnecke

Salon skug: Enesi M., Ernst Lima, skug Talk & DJ-Line

Am 13. Oktober 2022 eröffnen wir im rhiz die Indoor-Saison. Der Salon bietet Musik zum Hirnerhitzen mit Hyperpop und Reggaeton. Agrar-Aktivist*innen geben im skug Talk Einblick in die Weltlage und mögliche lokale Lösungen.

Der Herbst zieht ein und mit ihm weht eisig kalter Wind durch die Funktionsunterwäsche. Auch skug meint, wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Umso wichtiger, im Warmbad Salon skug wieder zusammenzurücken. Es stehen nämlich gewisse Aushandlungsaufgaben an. Wer in letzter Zeit im Rundfunk geblättert hat, sieht so ein gemischtes Bild. Einerseits braut sich da draußen ganz viel Bewusstsein zusammen und bildet vielleicht bald eine Sturmfront. Es sind die intersektionalen Strömungen des Female Empowerment, der Blackness, der Queerness und der Decolonisation von Mind, Body und Land. Spuren zeigen sich in brennenden Kopftüchern in Teheran und sogar Kabul oder in Trans-Women, die mithelfen, Steinzeitdiktator und Amazonas-Abholzer Bolsonaro aus dem Amt zu hieven und den diversen, selbsternannten Wächter*innen dieser World per Booty Dance die Moralkeule aus der Hand fegen.

Aber der Backlash schläft nicht. Menschen, die Tag und Nacht die Pappalatur laufen haben, fühlen sich einfach nicht mehr verstanden. Überall diese fiese, fiktive Angst, übergangen worden zu sein, die leider schwer populär ist. Dem Ösi-Bundeskanzler ist kein Muff zu stickig, er setzt sich neben Onkel Orban aufs Podium und flüstert durch die zugekniffenen Pobacken: »Die Fremden kommen und machen alles so fremd – uhweeeeh, da hab’ ich gleich mal Angst.« Hierbei immer der kuriose Subtext: Die Linken haben gewonnen und jetzt schicken sie uns die Geschmackspolizei, die uns sagt, was wir zu denken haben. Witzig, witzig, dass die Progressiven von ihrem Siegeszug selbst so wenig mitkriegen. Das ist der Einserschmäh aller Konservativen: »Wir sind die wahren Opfer!«

Das Land zum Leben

Dem Salon skug ist kein Thema zu groß und kein Bogen zu weit gespannt. Die jetzt zu verhandelnden Themen hängen ja auch innerlich zusammen. Dinge haben physische Grundlagen. Gerade das Basale wird dabei so gern übersehen. Die Milchschnitte (furchtbar lecker) wird nicht von extraterrestrischen Kühen gestrickt, sondern ist der Output einer Agrarmaschinerie, die einem Hören und Sehen vergehen lässt. Da steckt in den Riegeln nämlich ganz viel drin, das dich und mich krank macht, und das ist weniger eine Frage der gesunden Ernährung, sondern dessen, was industrialisierte Landwirtschaft Natur und Menschen antut.

Einklang war gestern, der wird nur als Marketingschmäh auf die Plastikhülle gedruckt. Was tatsächlich passiert, ist pure capitalism, baby! Der hat es nicht so mit der Wahrheit, der will ausbeuten und killen. Überall muss Abhängigkeit erzeugt werden von Produkten, die Privatbesitz der Gewinnvermehrer*innen sind. Wie blöde ist eine Menschheit eigentlich, die die eigene Ernährungsgrundlage zum Spekulationsobjekt gemacht hat? Kann sich bei aller auftürmenden Ungerechtigkeit etwas dagegen tun lassen? Hier vor Ort und vielleicht sogar im ganzen Erdenrund? Der skug Talk fragt nach bei Maria Sanhueza und Johannes Wiener, den beiden Aktivist*innen von agri_culture, die den Spaten selbst in die Hand nehmen, um am Stadtrand von Wien neue Formen der Agrikultur zu erproben. Der erweiterte Kunstbegriff einer ganzheitlichen Kunstvermittlung bei gleichzeitiger Aussaat des eigenen Gemüses. Vorbildlich, kenntnisreich und faszinierend. Zum deep-dive read geht es hier.

Musik zum Abheben

Das alles und noch viel mehr schaffen wir nur, wenn wir uns die Musik durch die Ohrdüsen blasen lassen, um viel Frischluft ins Hirn zu kriegen. Da lag es nahe, den Telefonhörer von der Gabel zu nehmen und die Wählscheibe nicht ruhen zu lassen, bis Enesi M. abhebt. Ihr Angebot zur Lage ist der Wandel zwischen zwei Extremen. Sie nimmt bereitwillig das Messer zwischen die Zähne, wenn sie toxische Männlichkeit zu Drill-Beats zerreißt. Und verteilt zugleich rückhaltlos Liebe, wenn sie im Reggaeton-Rhythmus über Black Realities und Queerness balanciert. Die Künstlerin mit brasilianisch-kubanischen Wurzeln veröffentlichte 2021 die EP »Corriendo«. Derzeit arbeitet sie am Nachfolger »SILENÇIO«. Prädikat: Richtig gut und viel zu unbekannt. Das muss sich auch schleunigst ändern.

Ernst Lima ist Künstler*in in Wien. Im White Cube zerfließen Amazon-Speaker und es baumelt Foucaults Pendel über der Stromgitarre. Der Beweis von Foucault Senior gilt heute wie damals, die Welt dreht sich wirklich und von zart bis hart werden deshalb die Saiten dronig zum Schwingen gebracht, wenn die Pendelspitze drüberfegt. Hier ist zugleich Hochkunst und Haushaltsführung Thema, wenn das Wasser in der Nasszelle tröpfelt. In einem früheren Leben war Ernst Lima Teil der Style-Polizei von Die Fitten Titten, die auch schon im Salon halfen, die Hüllen zu lüften. Inzwischen stellt sich Lima auch allein auf die Bühne. Was sich zwischen Hyperpop-Halleluja und Melancholie-Melodien aus der E-Gitarre streicheln lässt, zeigte Ernst Lima zuletzt im Rahmen der Ars Electronica in Linz, nun kommt der Hauptstadttest im Salon. Endlich finden die Körperteile wieder zusammen.

Der Eintritt ist frei, um Spende wird gebeten, mehr Programm geht kaum. Wir freuen uns auf euch!

Link: https://skug.at/e/salon-skug-enesi-m-ernst-lima-skug-talk-dj-line/