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»Love Song« von Røsenkøpf, dem neuesten Spross des New Yorker Wierd Records-Katalogs, zitiert die Schlussrede des »falschen« Diktators in »The Great Dictator« (Charlie Chaplin 1940) und erklärt damit Ambivalenz zum obersten Gestaltungsprinzip. Der wohl bekannteste »Friedensappell« der Filmgeschichte gipfelt in den Worten »Soldiers! In the name of democracy, let us all unite!« und dem Jubel der Massen – einem Aufruf zum Kampf, eine Wiederkehr der Sprache der Macht. Røsenkøpf zensieren diese verfänglichen Versatzstücke sorgsam, lassen die »ermächtigende« Rede Chaplins über und neben ihrem schweren Post-Rock-Teppich ablaufen und unterstreichen Worte wie »You the people have the power« mit forschem Schlagzeug und dröhnenden Gitarren. Ähnlich dekonstruierend und fragmentiert gehen sie auch in den anderen fünf Tracks vor, die Wave- Synthesizer mit Power-Riffs (»Light The Way«), Double-Bass-Drum- Angriffe mit Drum-Machine-Taktung und psychedelische Trips (»Troth«) mit Punk-Ausbrüchen und tiefstürzendem gutturalen Gesang kollidieren lassen. Ein ebenso intelligentes wie intensives Debüt. Mit den zuletzt veröffentlichten, Metal-affinen Alben von Vaura (»Selenelion«) und Røsenkøpf zeigen Wierd Records ihr genreübergreifendes Gespür für innovativen Sound aus dem Untergrund. Staying rare.

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Text
Michael Giebl

Veröffentlichung
07.05.2012

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