Wer sich die Lage österreichischer Journalist*innen vor Augen führt, darf gerne konkludieren: Das ist schon sehr gemein. Fritz Hausjell, Präsident der Reporter ohne Grenzen Österreich, führte am 22. Oktober 2026 im Parlament beim Panel »Qualitätsjournalismus. Ein Bollwerk gegen Demokratieabbau?« an, dass das Ausbildungsniveau und die allgemeinen Fähigkeiten der Journalist*innen in Österreich noch nie so hoch waren wie heute. Die meisten können nicht nur gut schreiben und recherchieren, sie machen auch eigene Podcasts, Video-Blogs und vieles mehr und mussten sich dafür die entsprechenden technischen Skills aneignen. Sie sind somit innovativ und flexibel und dürfen sich sagen lassen: »Sehr brav, alles richtig gemacht und jetzt zieh dir bitte deine Wartenummer beim AMS!« Denn die bezahlten Jobs verschwinden gerade wie Erdbeereis im Sonnenschein der galoppierenden Klimakrise.
Alle Macht den Plattformen?
Okay, okay, wir erleben eben einen Strukturwandel. So etwas hat es schon häufig gegeben und niemand weint heute mehr den Spitzenklöppler*innen nach, denn das können Maschinen einfach besser. Nur beim Journalismus ist die Sache etwas kniffliger. Bleiben wir beim Bild: Während die menschliche Kreativität beim Einsatz einer Spitzenklöppelmaschine erhalten bleibt und sogar befreit wird, denn die Menschen können sich nun ganz aufs Design der Spitze konzentrieren und müssen nicht mehr klöppeln, erleben wir heute, dass die geistige Arbeit des Journalismus seit Jahrzehnten abgewertet wird und nun durch KI-Agenten gänzlich ersetzt werden soll. Wie lässt sich vor diesem Hintergrund dann aber die wichtige gesellschaftspolitische Funktion des Journalismus aufrechterhalten, der Öffentlichkeit Informationen und Sichtweisen zur Verfügung zu stellen, damit ein freier, pluraler und demokratischer Diskurs möglich ist? Anders gesagt: Wie den Mediennutzer*innen eine möglichst fundierte und eigenständige Meinungsbildung bieten?
Beim Panel im Parlament konnten die Teilnehmer*innen der verbliebenen großen österreichischen Zeitungen (»Der Standard«, »Salzburger Nachrichten«, »Kleine Zeitung«) und jenen aus der Wissenschaft schnell und klar die aktuellen Abgründe aufzeigen. Kurzum: Wir haben uns als Gesellschaft daran gewöhnt, dass Informationen kostenlos im Netz verfügbar sind. Dadurch konnte sich ein tiefgreifender Wandel vollziehen, in dem die gesamte publizistische Macht in die Hände weniger Plattformbetreiber wechselte. Das Plattformen-Internet (die Nutzung von Messenger-Diensten und Sozialen Medien) limitiert immer mehr den Zugang zum freien und offenen Internet. Die Medien sind gezwungen, ihre Inhalte den wenigen großen Plattformbetreibern zunächst kostenlos zur Verfügung zu stellen, und bekommen selbst bei vielen Zugriffen nur wenig oder meist gar kein Geld dafür. Schlimmer noch, sie können sich und ihr Medium kaum bewerben, weil das Streben der Plattformen genau darin liegt, niemanden mehr ins »alte« Internet zurückzuschicken. Alle Verbreitung, die auf den Plattformen erreicht wird, unterliegt dann dem vollständigen Diktat der Plattformen. Sprich, wenn eine Zeitung ein erfolgreiches Videoformat auf YouTube anbietet, kann der Betreiber von YouTube, Alphabet, diesen Kanal einfach abschalten, ohne Möglichkeit des Einspruchs der Produzent*innen. Die jahrelange Arbeit am Aufbau der Community ist dann futsch. Das ist eine untragbare Situation für die Medienhäuser in Österreich.

Was tun?
Wer den Panel-Teilnehmer*innen an diesem Abend im Parlament zuhört, dem kann es ein wenig mulmig zumute werden. Denn die sagen mehr oder weniger eloquent, dass sie keinen blassen Schimmer haben, wie es weitergehen könnte. Was sie an konkreten Vorschlägen machen, wirkt zuweilen kurios. So meint der Chefredakteur des »Standard«, Gerold Riedmann, seine Zeitung habe in ihrem Online-Forum Kompetenz in der Moderation von Großgruppen entwickelt. 20 Mitarbeiter*innen »aus Fleisch und Blut« seien damit beschäftigt. Gut, nur wie soll man mit Foren-Moderation Geld verdienen? Und ist das überhaupt ein Ort, an dem sich demokratischer Diskurs schult? Oder werden einander dort nicht eher die Brocken des Besserwissens an den Kopf gedonnert? Schließlich scheint es einer der emotionalen Hauptfunktionen österreichischer Qualitätspresse zu sein, den geneigten Leser*innen zu vermitteln: »Die Regierung ist oasch, aber du wüsstest es eh besser.« (Was teilweise durchaus stimmen kann.) Jedwede Idee, das »Standard«-Forum auszubauen, wirkt somit eher wie eine Drohung als wie ein brauchbarer Versuch, mehr demokratische Debatte in Österreich zu stiften. Außerdem, nochmals, was soll der breite Foren-Diskurs, der grundsätzlich wunderbar sein könnte, den professionellen Schreiber*innen bringen? Foren-Moderation als letztes Refugium journalistischer Arbeit?
Die Frage wäre vielmehr: Wie wegkommen von der Kontroverse mit Tötungsabsicht, die sich in heutige Debatten eingeschlichen hat? Die Polarisierung wächst tatsächlich langsam ins Unerträgliche. Marian Smetana, Ressortleiter Politik der »Salzburger Nachrichten«, räumt ein, dass beim Kampf um die immer geringer werdende Aufmerksamkeit am Smartphone die klassischen Medien ebenso den Algorithmus der Plattformen füttern, in der Hoffnung, nochmal nach oben gespült zu werden. Das wirkt zunehmend wie ein hoffnungsloses Unterfangen, bei dem diejenigen die Spielregeln machen, die sich nicht um eine plurale und differenzierte Gesellschaft scheren. Will sagen, selbst wenn Medien heute noch einen demokratischen Anspruch haben, dann finden sie viel leichter Verbreitung, wenn sie diesen hintanstellen. Das ist ein Problem.

Send in the clowns!
Erbarmungslos dem hinterherhetzen, was vielleicht gerade gut ankommt, war nie das Mission Statement des Journalismus. Aber es wird schwer, dies einer Öffentlichkeit zu vermitteln, die immer weniger mit journalistischen Formaten konfrontiert wird. Früher war Leser*innen bewusst: In der Zeitung stehen nicht nur die Dinge, die mir passen. Da wir uns heute dank Sozialer Medien und KI-Chatbots zunehmend in angenehmen Meinungsblasen bewegen (bzw. dort gezielt mit »rage bait« getriggert werden, um in schlechthin unendlichen Konfliktdiskussionen zu ertrinken), fehlt langsam die Schnittstelle zwischen Rezipient*innen und Journalist*innen. Weil mittlerweile alles ein Gesicht haben muss (»Personalisierung«), verwechseln viele journalistisch anmutende Meinungs-Podcasts mit Journalismus. Das ist mal despektierlich wie bei Joe Rogan und mal manierlich wie bei John Oliver, aber beide sind – Achtung, Weltbild kann jetzt zusammenbrechen! – Comedians. Sie möchten letztlich Menschen zum Lachen bringen. Wir könnten natürlich Österreichs Journalist*innen auf die Clownschule schicken, aber erwarten wir uns davon die Lösung des großen Kicherns?
Auf dem Panel im Parlament in Wien waren sich alle Teilnehmer*innen einig, Journalist*innen müssen in einen Dialog mit den Leser*innen treten. Die Moderatorin Barbara Haas von der »Kleinen Zeitung« organisiert dort die Podcasts und feiert diese und andere beim »Kleine Zeitung Podcast Festival«, das sie jährlich im Grazer Schauspielhaus durchführen. Das ist fraglos wichtig und gut. Die Begegnungen »in real life« zwischen Macher*innen und Rezipient*innen sind erbaulich und bei vielen der heutigen Konflikte nahezu die einzige Chance, aus der Mühle der wechselseitigen Anfeindungen herauszukommen. Darf man sagen, skug geht hier seit vielen Jahren einen ähnlichen Weg mit seinen Veranstaltungen des Salon skug. Bei dem wichtigen Versuch, aus dem digitalen Raum hin- und wieder herauszutreten, gibt es allerdings zwei Probleme. Erstens verändert sich mit diesem Kniff das Berufsbild des Journalismus gravierend. So wie heute Schriftsteller*innen auf Lesetouren kabarettistische Fähigkeiten beweisen müssen, unterliegt das Hosting einer Show eigenen Gesetzen und ist nicht genuin journalistisch. Zweitens, und das ist das ungleich größere Problem: Wem begegnet man auf Festen, zu denen Journalist*innen einladen?

Ungute Verwobenheit zwischen Medien und Politik
Erraten! Wir sind beim Elitenproblem. Die Medien in Österreich folgen viel zu sehr dem Prinzip »Prominenz statt Kompetenz«. Denn der Eindruck trügt nicht, in TV und Zeitungen finden sich viel zu häufig die immer gleichen Gesichter. Die Riege der Chefredakteur*innen inszeniert sich als Meinungsstars, um genau damit dem Problem der Unsichtbarkeit des eigenen Mediums durch persönliche Bekanntheit beizukommen. Das ist auf mehreren Ebenen fatal. Wenn ein Chefredakteur lächelnde Selfies mit dem Finanzminister macht, wenn ein Moderator mit dem Parteichef in Urlaub fährt, dann verdichtet sich das Bild: Die da oben wollen uns was erzählen, das letztlich nur ihnen selber nutzt. Und an dieser Stelle soll der Abgrund der »Inseratenkorruption« lediglich erwähnt werden. Gerade in Zeiten der Vielfachkrise braucht es aber unabhängige Stimmen. Von Journalist*innen darf sich das Publikum erwarten, dass sie den Mächtigen widersprechen und sich von diesen fernhalten. Österreichs Journalismus fährt hier wirklich nicht die volle Punktzahl ein. Im schlimmsten Fall wirkt die Demokratie selbst wie ein Elitenprojekt, das Bundespräsident und Chefredakteur*innen auf der eigens einberufenen Demokratiewoche promoten.
Die Hierarchien sind zudem ein Problem, das dringend reflektiert werden sollte. Österreich leidet unter etwas, das als das »kakanische Filtrat« bezeichnet werden kann. Seit den Zeiten des k. u. k.-Reiches haben sich hierarchische Elitenstrukturen eingeschrieben, bei denen die unten stets in Sorge sind, während die oben in köstlicher Stimmung frönen. Wer große Medienhäuser heute betritt, merkt gleich, die Stimmung ist zwickoaschert. Alle haben Angst um ihren Job. Alle? Nein, die, deren Gesicht jede*r kennt, eben nicht. Deshalb ist deren Problembewusstsein oft auch unterentwickelt. Bei jeder Sparrunde fliegen die unten raus, während die oben bleiben. (Ein weiteres gutes Beispiel fürs »kakanische Filtrat« wären die österreichischen Universitäten: Die Institutsvorstände haben zahlreiche Sparrunden überlebt, ohne daraus persönliche Schlüsse ziehen zu müssen.) Das Elitenproblem wird an dieser Stelle individuell. Bekannte Journalist*innen entblöden sich oftmals nicht, ihren eigenen Lebenslauf als eine ganz dolle Erfolgsgeschichte zu verkaufen, ohne zu bedenken, wie dies aufs Publikum wirken könnte. Das »Ätsch, ich habe es geschafft und gehe heute Abend mit dem Bundeskanzler dinieren«, lässt das Berufsbild Journalismus toxisch werden. Das Gefühl »wir sind auf eurer Seite und schauen den Mächtigen auf die Finger« lässt sich so kaum mehr vermitteln.

Ohne Förderungen wird es nicht gehen
Deshalb kann das Gebot der Stunde eigentlich nur heißen: Spart an den Chefredaktionen und kehrt euch vom »Starsystem« ab. Nur wird damit das Grundproblem nicht gelöst: Es ist kein Geld mehr mit Medien zu machen. Deshalb muss die Medienproduktion gefördert werden, bis sich was Besseres findet. Auf dem Panel im Parlament waren deshalb zwei kleine Lichtblicke geladen. Einerseits Andy Kaltenbrunner vom Medienhaus Wien, der den journalistischen Berufsstand beforscht und per Studie klar diagnostiziert: Es gehen die Lichter aus. Die »deplorable« Lage lässt sich so zusammenfassen: Alle Zeitungen in Österreich bringen es zusammen noch auf zehn Auslandskorrespondent*innen. Aber zumindest konnte vom Medienministerium ein digitaler Transformationsfonds aufgelegt werden, bei dem es nun spannend sein wird, zu sehen, ob die 24 Millionen Euro in den Erhalt der kakanischen Machstrukturen investiert und also letztlich den Verlegerfamilien überwiesen werden, oder ob damit innovative Medienproduktion gefördert wird und das Geld bei denen ankommt, die die journalistische Arbeit machen.
Andererseits sprach Caro Hammoutene, dem skug-Publikum durch ihre Panel-Teilnahmen beim Salon skug wohlbekannt, für den Verein Komma – Gemeinsam Medienvielfalt gestalten. Der Verein darf verbliebenes Vermögen von »Der gute Rat« einsetzen, um eine klaffende Lücke zu füllen: Während es in Wien durchaus Förderung für Medienprojekte gibt, herrscht am Land Wüstenei. Komma will am Land Neugründungen unterstützen, um die wichtige journalistische Nahversorgung zu ermöglichen, für die endgültig kein Markt mehr vorhanden zu sein scheint, wie jüngst die Zusammenlegung der Vorarlberger Russmedia mit der Tiroler Mediengruppe belegt.

Was machen wir mit der Glotze?
Geneigte Leserin, geneigter Leser, sicherlich hat sich bei der – hoffentlich – erbaulichen Lektüre dieses Artikels schon mehrmals die Buchstabenfolge ORF vor dem geistigen Auge eingeblendet. Und ganz richtig, der Österreichische Rundfunk gehört zum Thema und den haben wir uns für den Schluss aufgespart. Szenewechsel zum Badeschiff Wien und zur Eröffnung der Demokratiewoche. Dort wurde am 19. Oktober 2026 unter dem Titel »Un/Abhängig? Am Beispiel ORF – wie soll die Medienfreiheit in Österreich langfristig gesichert werden?« über ebendiese Frage diskutiert. Die ist leider sehr brennend, was aber nicht zu allen durchgedrungen sein dürfte. Der bekannte ORF-Moderator Martin Thür zeigte sich beim Panel in optimistischer Laune. Der ORF stünde im Grunde gut dar, läge weit vor den Mitbewerbern des Privatfunks, die Stimmung auf dem Küniglberg sei aus seiner Sicht zufriedenstellend, die Rückmeldungen, die er persönlich einfahre, ebenso. Und, man denke sich, die ZIB gibt es sogar auf TikTok und habe gute Zugriffszahlen. Ansonsten würde man auch weiterhin innovativ sein und einfach besser werden. Problem gelöst, sofern es je eines gab.
Die anderen Panel-Teilnehmer*innen ließen sich von dieser optimistischen Sichtweise nicht anstecken. Der ORF hat da nämlich eine gewisse Achillesferse: Er wird über Gebühren finanziert. Und während es allen Medienhäusern in Österreich kreuzschlecht geht, musste der ORF »nur« 90 Millionen einsparen, was aber auch einige den Job gekostet haben dürfte. Nun gehört es zum Playbook der Autokratisierung, öffentlich-rechtliche Medien anzugreifen, und die FPÖ hat sich dies bereits auf die Fahnen geschrieben. Stefan Wallner, Geschäftsführer des Bündnisses für Gemeinnützigkeit, warnte vor dem Irrglauben vieler Medienhäuser, es ginge ihnen besser, wenn es dem ORF schlecht ginge. Vielmehr kämpfe man gemeinsam für eine freie Medienöffentlichkeit. Die Freiheitlichen brauchen die »alten Medien« nicht mehr, sie haben ihr eigenes Medienimperium aufgebaut. Schließlich sei die FPÖ keine Partei mehr, sondern ein Medienhaus, das an Wahlen teilnimmt.

Retten wir den Journalismus
Martin Wassermair, Generalsekretär der Reporter ohne Grenzen, gemahnte daran, dass die Medien in Österreich und in aller Welt durchaus noch immer ein wichtiges Potenzial haben. Sie können Teilhabe ermöglichen, lösungsorientiert sein und wichtiges Wissen vermitteln. Das kann hilfreich und schön sein, nur – und da stimmte das Badeschiff-Panel weitgehend mit dem im Parlament überein – was nützt es, wenn dies alles durch KI-Agenten und Plattform-Ökonomie untergeht. Deswegen gilt es nun, den politischen Kampf aufzunehmen und mit dem ORF zugleich Österreichs noch immer einigermaßen vielfältige Medienlandschaft zu retten. Nun ist der ORF mit seinem kurios großen, 35 Mitglieder zählenden Stiftungsrat der Schauplatz politischer Kämpfe par excellence. Wie hier einen Kompromiss finden, der zu Verbesserungen führt und nicht zu einer Abwicklung in Raten, die letztlich den erstarkenden rechtsautoritären Kräften im Lande nutzt? Wie gut, dass der Medienwissenschaftler Peter A. Bruck Teil des Panels war, denn er hat ein Papier vorgelegt, das ausgehend von dem »Zukunftsdialog« des Medienministers Andreas Babler (SPÖ) ein zivilgesellschaftliches Trägermodell für den ORF vorschlägt. Der ORF soll schlanker, transparenter werden und einen Fokus auf die »Zukunft der österreichischen demokratischen Öffentlichkeit« bekommen. Letztlich sollen in den Bundesländern »Bürger*innenforen« per Auslosung zusammengesetzt werden, die ein getreueres Abbild der österreichischen Gesellschaft bieten und die Geschicke des ORF mitlenken könnten, statt ihm den Einflüsterungen der Politik zu überantworten. In Brucks Entwurf sind insbesondere die Erfahrungen der Bürger*innenbeteiligung an öffentlich-rechtlichen Sendern aus Kanada und der Schweiz eingearbeitet.
Bruck macht den möglicherweise in Zeiten der Teuerungskrise wohl ein wenig ironisch gemeinten Vorschlag, die Haushaltsabgabe in Österreich am besten zu verdoppeln, denn was die Bürger*innen hier zahlen, sei eine Art »geistig-seelisches Unabhängigkeitsgeld«. Das Konzept dürfte keinen unmittelbaren Jubel im Publikum hervorrufen, denn selbstverständlich ist die Finanzierung dieser demokratischen Mitbestimmung ein Knackpunkt. Letztlich wird wohl eine angemessene Digitalsteuer in Österreich die Überlebensfrage der Medien entscheiden. Denn, wie kann es sein – und in der Sache war sich das Panel auf dem Badeschiff einig –, dass die Plattformen als letzte noch Geld mit der medialen Produktion in Österreich verdienen und dafür keine angemessenen Steuern zahlen müssen? Von den Gewinnen der Plattform-Ökonomie sollte das Geld kommen, damit der öffentlich-rechtliche Auftrag als zivilgesellschaftlicher Auftrag begriffen werden kann. Jenseits der Finanzierungsfrage sollte sich die Öffentlichkeit fragen, was ihr ihre Informationssouveränität wert ist und inwieweit sie sich mit einer tendenziösen Informationsparallelwelt abspeisen lässt. Die Dystopie lässt sich heute bereits klar umreißen. Die Endverbraucher*innen kommen eines nicht mehr so fernen Tages nach Hause, sagen: »Computer, zeig mir, was mir gefällt!« und der KI-Agent stellt ein Potpourri aus schönen Bildern und Tönen zusammen, in die – ganz unmerklich – jene Informationen und Botschaften eingewoben sind, die für diese entmündigten Bürger*innen noch vorgesehen sind. Lassen wir es nicht so weit kommen.











