Mars

»Presents: The Trail«

:Ikonen:Media

Heftig erodierte Cowboystiefel schleppen sich durch den nuklearen Winter. Die Klapperschlangen zirpen, elektrisiert von beißender Kälte. Die Kollegen Smith und Wesson sind bereit für die kommende Runde Runen-Remmidemmi. Mainz als das schwarze Herz des Karnevals wirkte ja immer schon so als hätte es Armageddon längst hinter sich. Wenn es aber etwas gibt, vor dem man sich noch mehr fürchten muss als deutscher Humor, so sind es schwadronierende Deutsche von weltschwerer Sensibilität. Dr. Marcus Stiglegger, dort in Mainz Herausgeber des Kulturmagazins »:IKONEN:« und ein Patron des deutschen Filmjournalismus, der thematisch Unartigem wie Body Horror, Gothic, Giallo und Kino-Machismo seine wissenschaftliche Grundierung verpasst, widmet sich als Musiker eher den schwarzesoterisch bleiernen Schwaden des Neo-Folk. Mars ist da ein richtiges Filmkritiker-Lagerfeuer, wo Marcel Barion und Kai Naumann mit Vollakustischer und Maulfotze an die prasselnden Flammen schleppen. Im Gegensatz zu ihren vier herkömmlichen Platten ist diese liebevollst gestaltete und auf 200 limitierte Mediabook-CD Destillat einer ausführlichen Jam Session, in der man einen akustischen Endzeit-Italo-Western auf Basis von Cormac MacCarthys gewalttriefendem Literaturklassiker »Blood Meridian« basierte. Natürlich steht da ein Cover des späten, halb verreckten Johnny Cash nah. Und grummelt man zwangsverlangsamt wie streng verkaterte Metallica nach vier Wochen Durchzechen. Aber wenn der unsichere Bubengruppengesang mal schweigt, tropft da der post-industrielle Nekro-Country ganz prächtig aus den Leichentüchern. Da kommen sie dann alle angeritten: Die späten Sonnwend-Neurosis, inbesondere die Solo-Platten von Scott Kelly und Steve von Till, der Cowboy-Glitch von Murcof, die meisterlichen Mörderballaden von Mick (Napalm Death, Scorn) Harris. Und wir umarmen alle umso freudiger die Tatsache, das es kein Morgen geben wird. Erst recht nicht in Mainz.