Preoccupations

»New Material«

Flemish Eye/Jagjaguwar

Preoccupations sind zurück und haben neues Material im Gepäck. Die kanadische Post-Punk-Formation rund um Matt Flegel (Vocals, Bass), Scott Munor (Guitar, Synth), Daniel Christiansen (Guitar) und Mike Wallace (Drums) formierte sich 2012 aus der Verlassenschaft von Women (Flegel, Christiansen, Wallace) gemeinsam mit Chad VanGaalens Live-Gitarrist Munor zur Band Viet Cong, deren erste EP »Cassette« 2013 und erste LP »Viet Cong« 2015 erschien. Nach lauter werdenden Protesten gegen den kontroversen Bandnamen benannten sich die vier im September 2016 – nach etwas länger dauerndem Denkprozess – in Preoccupations um und stabilisierten diese Namenswahl mit ihrem zweiten, wiederum selbstbetitelten Album. Die Autorin gesteht an dieser Stelle, dass ihr das sperrige Vokabel mehrfach die Zunge gebrochen hat und sie sich – auch ob des eher mauen zweiten Releases – geistig schon von What’s-their-name-again verabschiedet hatte … wären die Herrschaften live nicht so mitreißend gut.

Der dritte Longplayer, nach vermutlich kürzerem Brainstorming schlicht »New Material« benannt, sichert Preoccupations wieder einen Platz in meinem Herzen und Plattenregal (same same). Vom einleitenden Trommeltakt auf »Espionage« bis zum aushallenden Two-Chords-Synth auf »Compliance« ist alles stimmig: Verspielte Gitarrenriffs, melodiöse Bassläufe und Wallace’s gewohnt treibende Drums geben auf den acht Tracks abwechselnd den Ton an, während Flegel sich stimmlich zwischen beinah lieblichen Harmonien (»Decompose«) und heiserem Schnarren (»Solace«) durch die ebenfalls gewohnt kryptischen Lyrics hantelt. Die ersten Single-Auskoppelungen »Espionage«, »Antidode« und »Disarray« sind energetische Gassenhauer, die sich ins Ohr fressen; getragenere Tracks wie »Manipulation« sorgen aber auch für Gegengewicht. Dazwischen gibt’s jede Menge Platz für Experimente in alle (Stil-)Richtungen und Anleihen z. B. bei New Order, Iggy Pop, Brian Eno und sogar The Cure, ca. »Pornography«-Ära, auf »Doubt«, dem selbsterklärten »goth jammer« des Albums. Guter Stoff!