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Philipp Quehenberger u.a., Celeste, 3. August

Jetzt war ich dort, eine Katastophe, hab auf Zettels Beobachtungen notiert, dann hat ein Idiot mein Bier umgehaut, alles nass, Zettel am Boden, ich draufgstiegn, Zigaretten auch unten, vergessen, dann gesucht, nass, Feuerzeug auch nass, alles okay.
Da komm ich zum ersten Mal runter ins Celeste, Philipp Quehenberger steht im vorderen Raum, super T-Shirt (aber du bist nicht die Quehe).
Die spielen da einfach. Ein Grundton bildet sich irgendwie heraus, die reden ja nix miteinander, die müssen nur hören und reagieren. Jazz.
Oh, ein Bier, du lädst mich sicher auf ein Bier ein, sagt ein Junger schrägt links vor mir. Ich: gähh biitte! Das gefällt ihm so gut, er wiederholt es mit korrekter Betonung und verzichtet auf sein Bier. Jazz ist tot sagt der junge Mann neben mir, nein Jazz ist nicht tot sagt die Frau neben ihm.
Ich denke mir – Jazz naja, du hast ja erzählt wie Quehe einmal eingegriffen hat, als es zu jazzig wurde.
Nervig sind vor allem zwei Blechbläser Pechbläser, die machen immer alles kaputt, es nervt wie Gelsen ihr Sound.
Poetry Slam: Wie kommen solche gemeinsamen Codes zustande, wie stimmen sich die ab? Reagieren die aufeinander, oder ist eh jeder voll zu?
Das Jazz-Elemente ist jetzt volles Down-Grading, Jazz ist tot, Jazz ist für ?
Ach was, Jazz, warum nicht, kann ja auch nichts Böses dran erkennen.
Dann tritt ein Schwarzer ein, meine Hoffnung: Und richtig: Es geht etwas weg vom Jazz, aber die Bläser stören wie immer, er der Schwarze gibt auf, resigniert. Ich bin zufrieden, nein etwas genervt, zwei Jungs und eine Frau (mit ohne BH) raufen, echt, am Boden, sie balgen (!), ich denke etwas platt: geht’s doch nach Haus ins Bett. Und genau der eine Typ von den drei schüttet mir später mein Bier um: Ich geh zu ihm hin und sag: Und!!! Zahlst jetzt des Bier? Er: Hm? Ich verzichte, kauf mir eine neues, hab aber dran gedacht, was gewesen wär, wenn ich eine kleine Catcherei angefangen hätte – wegen dem einen Bier? Na und.
Inzwischen jammt es weiter: die Selbstorganisation von (musikalischen) Strukturen beginnt mich immer mehr zu interessieren (Theorie-Zwang Theorie-Lust).
Ach, ich kann die Wörter auf den biergenässten Zetteln kaum lesen, es ist so mühsam, ich sollte schlafen.
Hoppla denke ich: Poetry Slam, Jam Session, Graffiti: ist das nicht Null-Cent-Urbanism? Lange Leitung, jetzt kapiere ich erst, warum dich das alles interessiert, und zu recht! Aber ist Null-Cent immer »schlechter« als Hundred-Dollar-Pop?
Selbermachen, einfach Freude haben, ordentlich dumm sein (wie manche Poetry-SlammerInnen) gegen Eliten: Immer schau ich hinaus – ich sitz auf einem Roten Zweiersofa – zur Elite: Quehe dort drau&szligen, ich hoffe inbrünstig dass er auch spielen wird, frage meine Nachbarin, ob er spielen wird. Sie: Nein wieso? Naja, ich wei&szlig, wegen mir wird er spielen (Scherz)?
Inzwischen spielt wieder der Trompeter rein, Freddy die Gelse, macht alles kaputt: ich kenn ihn seit 1972, ein k. Typ, der alles verjazzt.
Ich bin ur-zufrieden, schade, dass du nicht da bist, hoffte ja dich hier zu treffen, aber okay, du hattest Besseres vor.
Jetzt schau ich nach in meinen Zetteln, fast unlesbar, da steht: Die Kriecher (das ist zum Beispiel der Schlagzeuger, der immer »schaut« was die anderen machen und sich dann anschmiegt und nachschmiegt). Kurz war die Musik nämlich besser, Erholung zunichte gemacht, zur Nichte zur Fichte, zum Henker mit dem Drummer, lasst ma ihn leben (Gott steht da Blödsinn).
Wieder schaltet sich ein Blacky ein, Hoffnung, ja es wird sofort anders, cooler, aber die zwei Gelsen machen es wieder aus. Aus, ein Set ist plötzlich vorbei, so schnell konnte ich gar nicht schauen, Appl-aus.
Uhhh und jetzt betritt Quehe das Podium! Hebt sein Keyboard aus der Schatulle auf den wackligen Eisentisch: Er wird spielen, ich wusste es. (Dazwischen war übrigens noch mehr Jam, den lass ich jetzt weg).
Kabel passt nicht, zuerst gar nix, dann Pfeifen, anders Kabel, es geht, Quehe mit seiner hübschen Tätowierung ist zufrieden, Elite, wie er Zufriedenheit so minimalistisch zeigt, und nur hm macht.
Ja dann geht es los: eine endlose Sequenz (Auch in der Länge eines Sets kann man die Grö&szlige erkennen: Die Rocknummern wurden ja auch immer länger: Von der Music-Box-Länge von 3 Minuten zu den bekannten 27 Minuten-Nummern der Gro&szligen von Rock und Pop, oder auch 44 Minuten oder warum nicht gleich 71 Minuten von mir aus auch mehr).
Jetzt tipp ich nur mehr meine feuchten Zettel ab, sonst wird es länglich.
Quehe ist in voller Fahrt, fährt es, fliegt es, er wirft einen schrägen Blick zum Drummer rüber, der weiter drummt wie wenn nix wär, macht weiter. Leidet Quehe an der Imprägnierung der Leute durch Jazz? Jazz ist wie ein klebriger Film, der sich über die Welt der Sounds legt? (bla bla)
Quehe wechselt total den Tonfall, versucht durch solche Wechsel den Drummer zu verführen, berühren, bekehren – es ist faszinierend, ohne Worte die Abstimmungen, insofern meilenweit besser als Poetry, wo jeder sein Gro&szligmütterchengeburtstagsgedicht abliest.
Scheitern weitermachen zuspitzen, schei&szlige Sound and Rhythm lässt sich nicht schreiben.
So Gesten von Pause, als Aufruf von Quehe, aber weiter weiter, ich denke, Fortschrittsgetue immer noch nicht ganz besiegt.
Wieder eine Zigarette, neues Bier nachgekauft, sie sind jetzt zu dritt: Quehe, Drummer und ein Rasta-Blackman, der macht auf Litanei, dann wird es mehr Aufruf zum Aufruhr zum Aufstand. Quehe legt nach, steigert die Dichte, es kocht, die Suppe, die Sound-Suppe dampft (billiger Ausdruck!), Quehe ist aus Innsbruck Tirol, Kuhbrüllen vom Almabgrund: die ?berwindung des Instruments, das ist es, die Elite von Quehe: Es gibt keinen Stil mehr, keine Nummer, keine Zäsuren, gleitende ?bergänge, Bruder und Klette.
Die Mystik der Abstimmung der drei.
Sound-Teppich – Quehe immer noch in voller Fahrt, im Gegenteil immer mehr – ja billiges Bild: „Sound-teppich“(fliegen fahren bumsen), Motorengeheul ist auch dabei, aber immer genau so haarknapp an jeder identifizierbaren Assoziation vorbei: Elite, die Mitwipper verlassen den Raum, es wird heller.
Quehe gehört definitiv zur elaboriertesten Nix-Schei&szligen-Elite (hab auch Kritik an Quehe, an ihm kommt man nicht vorbei, denke mir: der verführt mir noch den Florian).
Jammen. Quehe: Lassen und steuern (jetzt tät ich theoretischer versuchen, diesen Prozess zu analysieren was beim Jammen passiert, Sound-and-Rhythm-?bertragung durch Ansteckung, was sich durchsetzt und was versackt).
Und so weiter, nach einer Ewigkeit Set von Quehe zu Ende, er zieht den Stecker raus, wie immer man einen Stecker nur elitenhaft rausziehen kann, zupft am schwarzen Leiberl. Wirklich gut.
We will never stop living this way, dann zu Fu&szlig rauf, im »Future Garden« sitzt Amer mit 5 verdammt nett aussehenden Frauen, Kaffeemaschine ist schon abgeschaltet, »Jenseits« hat Montag Ruhetag, also von der Mariahilferstra&szlige per Taxi zurück.

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Veröffentlichung
05.08.2009

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