Para

»Paraphon«

Freifeld Tontraeger

Das Jazzatelier Ulrichsberg wurde am 6. Mai 2016 Schauplatz einer besonders intensiven Performance: Das Trio Para gastierte an diesem Abend in dem Jazzlokal im nördlichsten Oberösterreich und bot dar, was das dritte Album der Formation mit dem Titel »Paraphon« werden sollte. Mit Thomas Stempkowski (Bass), Ingrid Schmoliner (präp. Klavier) und Elena Kakaliagou (French Horn und Stimme) stehen drei absolute ExzentrikerInnen ihrer jeweiligen Instrumente auf der Bühne. Ingrid Schmoliner ist hierzulande wohl eine der profiliertesten und experimentierfreudigsten Könnerinnen am präparierten Klavier, Elena Kakaliagou versteht es, die Grenzen des Waldhorns auszuloten, indem sie das Instrument auch als Percussioninstrument und Atemwegverstärker einsetzt, und Thomas Stempowski am Bass ist auf dieser Aufnahme das flächige Element, sozusagen der Nährboden.

Es ist eine Aufnahme, die in Wellen kommt und geht, sich aufbaut und wieder in sich zusammenstürzt, die also weniger auf eine durchgehende Dramaturgie hinarbeitet, sondern mehr an der Ausschöpfung des Moments interessiert ist. Die drei MusikerInnen reiben sich musikalisch stets aneinander, laden sich gegenseitig statisch auf und dementsprechend gibt es auch die unvermeidbaren Entladungen, gefolgt von desorientiertem Suchen und Wiederzusammenfinden. Insbesondere Stempkowski fungiert nach heftigen Eruptionen als Brückenbauer zu neuen Ideen, die von Schmoliner und Kakaliagou schnell aufgegriffen und weitergedacht werden. Ein eklatantes Beispiel dafür ist das erste Stück der CD mit dem Titel »karpaten«: Ab der Hälfte bricht es in sich zusammen, nur der Bass gibt sich einer andauernden Drone-Funktion hin. Kakaliagou lässt ihr Horn klappern, Schmoliner das Klavier hallen und im nächsten Höhepunkt wird das Horn durch unverständliche (sprachliche und nicht-sprachliche) Stimmfetzen ersetzt. Derlei Ups and Downs durchziehen die Performance und nehmen jeden mit, der sich darauf einlässt. Auch das dritte Stück »aupa« ist in dieser Hinsicht fast furchteinflößend. Es sei aber darauf hingewiesen, dass dieses Album natürlich ausschließlich in voller Länge und ohne Unterbrechung zu genießen ist, die hier genannten Highlights sollen lediglich der Orientierung dienen.

Das Publikum in Ulrichsberg ist hörbar in den Bann des Trios gezogen, nur ganz selten ist ein Husten zu hören. Zu Recht, denn auf CD funktioniert die Performance eindrucksvoll, man wünscht sich, an diesem Abend live dabei gewesen zu sein, um die Wucht dieser Interaktionen auch physisch spüren zu können. Für all jene, die es eben nicht waren, ist diese CD ein wertvolles Dokument eines gänzlich einzigartigen Events, bei dem alles gestimmt hat. Denn auch die Qualität der Tonaufnahme ist hervorragend, was bei derart experimentellen Performances keine Selbstverständlichkeit ist. Jedoch kommen alle Feinheiten des präparierten Klaviers durch, der Bass wummert tief und warm, an anderen Stellen kratzt und sticht er gewaltig. »Paraphon« ist eine die Herzschlagfrequenz beeinflussende und Atem-stockende Aufnahme eines Trios, bei dem das zwischenmenschliche Selbstverständnis als viertes Mitglied funktioniert und ein auditives Abenteuer garantiert.