David Roback © Mazzy Star

Paisley-Underground-Pionier und Dreampop-Wegbereiter

Am 25. Februar verstarb in Los Angeles David Roback im Alter von 61 Jahren. Ein persönlicher Nachruf.

Der Tod von David Roback löste eine wahre Flut an Tribut- und Kondolenz-Postings in meiner persönlichen Social-Media-Blase wie auch im größeren Indie-/Alternative-Kosmos aus. Die musikalische Bandbreite der Musiker*innen, die ihre Trauer bekundeten, spricht dabei für den nachhaltigen Einfluss, den David Robacks Schaffen auf die moderne Musiklandschaft hatte.

Zahlreiche Band-Inkarnationen
Roback, der in Pacific Palisades, einem Stadtteil von Los Angeles, aufwuchs, gründete zu College-Zeiten mit seinem Bruder und der zukünftigen Gitarristin und Sängerin der Bangles, Susanna Hoffs, die Band Unconscious. Erste größere Bekanntheit erreichte er aber als Gründungsmitglied von Rain Parade, die eine der führenden Bands einer gemeinhin als Paisley Underground bezeichneten Musikszene war. Paisley Underground war ein Sammelbegriff für einige stilistisch sehr unterschiedliche Bands, deren Gemeinsamkeit es war, die Energie und Unmittelbarkeit von Punk/Post-Punk mit der breiteren akustischen Palette von Psychedelic und Classic Rock zu verbinden. Rain Parade veröffentlichten 1983 mit »Emergency Third Rail Power Trip« einen frühen Klassiker des Genres. Nach diesem Album stieg David Roback allerdings bei Rain Parade aus und widmete sich zunächst dem Projekt Rainy Day, einem Kollektiv aus verschiedenen Musiker*innen des Paisley Underground. Ebenfalls an dem Projekt beteiligt war die damalige Sängerin von Dream Syndicate, Kendra Smith. Roback und Smith gründeten kurz darauf das Projekt Clay Allison, das sich bald in Opal umbenannte. Nach einigen EPs veröffentlichten Opal auf SST, dem Plattenlabel, das unter anderem auch für Black Flag, Minuteman und Hüsker Dü verantwortlich zeichnete, das Album »Happy Nightmare Baby«, eines meiner persönlichen Highlights aus dem Umfeld des Paisley Underground.

Auf der Tour zu dem Album stieg Kendra Smith allerdings aus der Band aus, die kurzfristig mit einer neuen Sängerin, Hope Sandoval, als Opal weitermachte, sich aber bald in Mazzy Star umbenannte. Mit Mazzy Star durfte David Roback seine größten kommerziellen Erfolge feiern. Er veröffentlichte insgesamt vier Alben mit Mazzy Star, angefangen mit dem 1990er-Debüt »She Hangs Brightly« auf Rough Trade. 1993 folgte auf Capitol Records »So Tonight That I May See«, dessen erster Track »Fade Into You« zu einem Superhit wurde und ganze Legionen an Dreampop-Bands inspirierte. Nach dem dritten Album »Among My Swan« von 1996 gab es eine längere Schaffenspause der Band, in der David Roback mit einigen anderen Musiker*innen zusammenarbeitete, unter anderem mit Beth Orton und Bert Jansch. 2013 veröffentlichten Mazzy Star ihr viertes Album »Seasons Of Your Day«, das in vielen verschiedenen Sessions seit den Neunziger-Jahren aufgenommen wurde. 2018 folgte die EP »Still« und eine mehrtägige Konzertreihe am Sydney Opera House.

Träumerisches Gegengewicht
David Roback bleibt uns als einfallsreicher und origineller Gitarrist, Sänger und Songwriter in Erinnerung, der maßgeblich am psychedelischen Revival der Achtziger-Jahre beteiligt war. In einer Epoche von Reaganomics und Hair Metal war der Sound des Paisley Underground ein notwendiges, träumerisches Gegengewicht und neben den weiterhin erfolgreichen Grateful Dead und ihren Fans, den Deadheads, der einzige direkte Bezug zur Counterculture der Sechziger- und Siebziger-Jahre. Der Schulterschluss zwischen Psychedelic und (Post-)Punk, der hier stattfand, war wiederum immens wichtig für die weitere musikalische Entwicklung in den Achtziger- und Neunziger-Jahren. Ohne David Roback wären Bands wie Flaming Lips, Mercury Rev und in weiterer Folge auch aktuelle Bestseller wie Tame Impala kaum vorstellbar. Die Musik und Ästhetik des Paisley Underground war unter anderem auch eine Inspiration für Prince, der nicht nur 1985 das von psychedelischen Sounds und Texturen geprägte Album »Around the World in a Day« veröffentlichte, sondern auch seinen Studiokomplex Paisley Park nannte. Wie bereits erwähnt, darf auch der Einfluss von Robacks Schaffen mit Mazzy Star auf viele Dreampop-Künstler*innen nicht vernachlässigt werden, so unter anderem auf Lana Del Rey, deren hypererfolgreiche Analyse der Dunkelheit und Einsamkeit, die sich unter der Oberfläche der kalifornischen Sonne verbergen kann, große Ähnlichkeiten mit der Vision von Mazzy Star hat, wie auch Alexis Petridis in »The Guardian« feststellte.

Mit David Roback ist ein Musiker von uns gegangen, der ein beeindruckendes Oeuvre hinterlässt und dessen Einfluss auf andere Künstler*innen noch lange nachhallen wird, auch wenn wir ihn selbst vermissen werden.