»... over and out«. In Memory of Werner Geier

Die Materialien des verstorbenen Radiomachers und Vermittlers zeitgenössischer Sounds im Wien Museum.

Vielen ist seine Radiostimme bis heute im Ohr. Nicht aufdringlich, aber bestimmt. Was unprätentiös, ja fast beiläufig klang, war bewusst gesetzt und inszeniert. Mit dem Tod von Werner Geier ist für viele eine Wunde aufgerissen, die bis heute noch nicht verheilt ist. Immer noch nah erscheint sein Ableben 2007 mit gerade 45 Jahren. Oft endete das Radiomagazin »Musicbox« mit seinem signifikanten: »… overand out«. Seit Mitte der 1980er Jahre hat er – heute unvorstellbar – im Radioprogramm Ö3 – als Musikvermittler gewirkt. Das montägliche »Tonjournal« war wie eine komprimierte Verheißung aktueller Sounds gestaltet, die es unbedingt zu entdecken galt. Durchdacht und voll kenntnisreicher Liebe zum Thema. Im Zuge der Konzeption von FM4 im Jahr 1993 erweiterte Werner Geier schließlich die entlang der Weiterentwicklung der Stile und Genres entstandenen Musikleisten der Musicbox und des Ö3 Nachtprogramms in die bis heute fortbestehenden Musikmagazine ab 22 Uhr.

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Weil das Wien Museum Stadt-, Kultur- und Alltagsgeschichte aufzeichnet und präsent macht, ist es nur logisch, dass nun auch die Sammlung Werner Geier in das Archiv des Museums überging. Das war 2012. Nun wurde daraus eine breit ausgefaltete Ausstellung. Passend im Anschluss an die Stefan Weber gewidmete Schau »Blutrausch«. Nicht wegen sich aufdrängender stilistischer Andockstellen, sondern weil es dort wie da um die visuellen Aspekte von Musikkultur geht. Die Sammlung Werner Geier beinhaltet Plattencover und Flyer aller wichtigen Wiener Labels und Veranstaltungsorte sowie natürlich auch Sounds und persönliches Arbeitsmaterial ab den 1980er-Jahren. Sie zeigt damit auch die Entwicklung des innovativen Grafikdesigns der Wiener Elektronik-Bewegung der 1990er-Jahre. Insgesamt wird rekonstruiert, woraus sich jene Form der Vermittlung zeitgenössischer Musikkultur speiste, die für so viele identitätsprägend wirkte. In den 1990er-Jahren immerhin wurde Werner Geier eine der zentralen Figuren der international enorm präsenten Wiener Elektronik- und Dancefloor-Szene und war als DJ Demon Flowers aktiv. Wir erinnern uns: Mit Rodney Hunter betrieb Geier das Label Uptight, bei dem Releases von Leena Conquest oder Hip Hop Finger erschienen – und er remixte zahlreiche Acts wie etwa die Stereo MCs. Selbstverständlich, dass in die visuelle Aufbereitung der Sammlung Geier Videos und Ausschnitten aus legendären Radiosendungen von Werner Geier eingeflochten sind.

Immerhin ist es ihm zu verdanken, dass Konzerte von Nick Cave, Sonic Youth, von den Feelies bis hin zu HüskerDü und den Go-Betweens um 15.05 Uhr durch den Äther von Ö3 strömten. Wie schnell doch das Gefühl dafür verloren geht, dass genau solche Radioereignisse, bindend und auf lange Zeit hin identitätsprägend sein können. Viel mehr als Stadtgeschichte.

»Uptight – Die Sammlung Werner Geier«. Ausstellung im Wien Museum bis 23.3.2014

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DJ Demon Flowers im U4, 1990. Foto: Chr. Grollhofer