Webster Wraight Ensemble

»No Lucky Days«

Heavenly Sweetness

Wie gut Miles Davis wirklich war, merkt man oft erst, wenn sich andere auf sein Erbe stürzen. Der Trompeter wurde von allen Richtungen umarmt, von den Rockern genauso wie vom HipHop und der Dance Music. Das Wasser reichen konnte ihm bisher zwar keiner, jedoch dient seine stilistische Vielfalt vielen spannenden Künstlern als scheinbar niemals versiegende Inspirationsquelle. Einer der vielen Schaffensperioden des 1991 verstorbenen Jazzgiganten wird aktuell vom Webster Wraight Ensemble Tribut gezollt. »No Lucky Days« ist der Versuch, die filmische Tiefenatmosphäre von Miles‘ Meisterwerk »Sketches of Spain« ins Hier und jetzt zu übertragen. Das Album ist das Baby des Deep House-Produzenten Charles Webster und des Komponisten und Arrangeurs Peter Wraight (bekannt u.a. durch Zusammenarbeit mit Matthew Herbert). Die im Pressetext erwähnte elektronische Textur muss man zwar mit der Lupe suchen, »No Lucky Days« ist aber sicherlich beschwingter als seine Vorlage von 1960. Während »Sketches of Spain« eher flächig war, kommt das Webster Wraight Ensemble ziemlich schnell auf den Punkt. Ein weiterer bedeutender Unterschied zum rein instrumentalen »Sketches« ist die Präsenz einer Sängerin auf »No Lucky Days«. Das funktioniert im Allgemeinen ganz gut, kratzt stellenweise allerdings – speziell gegen Ende des Albums – die Grenze zur gehobeneren Ballband. Dennoch ist dem Webster Wraight Ensemble eine feine Platte gelungen, die man ohne schlechte Absicht unter Easy Listening einordnen darf.