Ernst Molden

Nimm mich, Schwester

Hoanzl

George Bataille meets Django Reinhart meets Hansi Krankl: Seine Stimme ist rau und gebrochen, die meist rezitativen Passagen von melodiösen Blues-Akkorden seiner Gitarren- und Harmonika-Begleitung geprägt. Die Rede ist von Ernst Moldens neuer CD mit dem Titel »Nimm mich, Schwester«. Der Titel verrät bereits einen sich selbst verschwendenden Habitus, eine Bereitschaft zu einer sich selbst ausschlöschenden Leidenschaft zum Anderen. Der Andere ist bei Ernst Molden dezidiert eine Frau. Diese Frau ist nicht konkret gezeichnet, sie hat bei Ernst Molden nichts Individuelles. Textstellen wie »Schau dein Mund ist rot wie Blut, schau dein Hals ist weiß wie Schnee, schau dein herz ist schwarz und unruhig wie so ein Expresskaffee« zeugen von dem unerbittlichen Zwang hinter dem Begehren den Eiweißschleim menschlicher Existenz zu sehen. Doch trotz dieses Röntgenblicks zeichnet er einen Ort der Geborgenheit in dem seine Albträume gelindert und ein Entrinnen vor dem »bösen Außen« für kurze Zeit möglich erscheint. Im nächsten Song ist dann wiederum dieses Außen gar nicht mehr so bedrohlich: »Wiesenliegen und Frauenwinken und danach ein Viertel trinken«. Eine wunderbare CD um die sogenannte große Liebe und die eigene Einsamkeit in Beziehung zu setzen. Wichtig dabei: alleine anhören und nicht zu oft.