Der Versuch, im Stehen Auto zu fahren, erntet skeptische Blicke der Band © Ingo Pertramer

Mozart würde nicht in der John Otti Band spielen – Teil 2

Der zweite Teil des ausgiebigen Interviews mit der beinahe vollzähligen Besetzung von Kreisky, die am 16. März 2018 ihr neues Album »Blitz« veröffentlicht haben. Über Wutbürger, dumme Sprüche der FPÖ und die schreckliche Rede von der Authentizität.

In diesem zweiten und letzten Teil des Interviews erfahren wir, warum eine Rockband als Rockband auf der Bühne besser ist als SchauspielerInnen, die Rocker spielen, dass HC Strache nicht lustig sein kann, und fragen uns, wo das Publikum von skug ist. Teil 1 des Interviews findet sich hier.

skug: Reden wir einmal über unangenehme Dinge, über Politik. Auf der Vorankündigung der Platte steht das Wort »Wutbürger«. Das Bild des Wutbürgers hat sich seit eurer letzten Platte gewandelt.
Franz Adrian Wenzl: Deswegen steht es auch in dem Pressetext mit drinnen, nicht weil wir so wahnsinnig scharf drauf waren, sondern weil das Image, das wir uns aufgebaut haben, als die grantige Band, etwas ist, mit dem wir arbeiten müssen. Es ist ja tatsächlich so, wie wir angefangen haben, Musik zu machen, da wollten wir bewusst, auch im Hinblick auf die damalige deutschsprachige Musikszene, die wir Mitte der 2000er-Jahre äußerst lasch gefunden haben, bewusst etwas eckiges machen. Da hat sich die Figur des Schimpfenden ergeben. Die ist wahnsinnig dankbar, weil man steht auf einer Bühne, mit den großen Instrumenten, dem großen Schlagzeug vom Klaus, da ist dann der Querulant so dankbar, weil der kann Sachen irrsinnig laut schreien und es ist doch nur so ein kleines Thema. Eines, das eigentlich nicht wert ist, sich überhaupt darüber aufzuregen. Schwieriger, wenn wir jetzt über die großen Themen singen und die dann auch noch schreien und mit großer Rockband … hmmm. Da entsteht dann ein Schwereübergewicht, das nicht wahnsinnig attraktiv ist. Dieser Querulant hat sich nun in den letzten Jahren geändert, zuerst war es einer, der sich nur im Stuttgarter Bahnhof beschwert hat. Ist ja okay, aber dann hat er auf einmal 13 % in Deutschland und in Österreich 65 % und ist Präsident der Vereinigten Staaten. Wir haben ja dieses Stück mit der Sibylle Berg im Rabenhof gemacht und das war für uns sehr angenehm, weil wir auf der einen Seite die Arbeit mit einem Stück haben, das sich auf ernsthafte Art und Weise mit dem Wutbürgerthema auseinandersetzt. Und das ich nicht schreiben musste, weil ich das auch nicht könnte. Wir durften aber unser Thema in dieser Richtung weiterverfolgen. Gleichzeitig durften wir dann jetzt eine Platte machen, die einen etwas leichteren, entspannteren Weg wählt. Ein bisschen doof manchmal, aber das ist sehr befreiend.

Klaus Mitter: Das »doof« war ja immer da. Wir haben uns ja immer als eine Unterhaltungsband verstanden, im Sinn von einem Humor, der nicht so vor einem hergetragen wird. Aber von der jetzigen Platte reden wir schon seit fünf Jahren, weil wir endlich mal die, für unsere Verhältnisse, »Pop-Platte« machen wollen. Da war uns nie ganz klar, wie das wird. Sind das dann nur ganz kurze, krachige Songs …

FAW: … die aber immer noch unser Vokabular sind, sonst bringt es ja nichts.

KM: Genau. Insofern war das Theaterstück sehr gut, weil die Figur darin im Stück insgesamt eine Katharsis bietet. In einem Pop-Song hat man immer nur ein Kapitel.

Das Musikmaterial von dem Theaterstück wird aber nicht zu einer Platte.
FAW: Wahrscheinlich nicht im herkömmlichen Sinn. Wir müssen erst mal sehen, wo uns diese Platte hintreibt. Haben wir in sechs Monaten noch mehr Lust auf Pop oder wollen wir etwas ganz anderes. Wir werden das Material in jedem Fall einmal aufnehmen und dann schauen.

War das eigentlich merkwürdig, als Rockmusiker auf eine Theaterbühne zu gehen und Rockmusiker zu spielen?
KM: Ja, aber wir haben gedacht, dass es viel komischer werden würde, als es dann war. Der Franz hat ja Theaterbühnenerfahrung als Austrofred, aber wir waren unsicher. Wir hatten das Stück ja vorher klar strukturiert, um schauen zu können, was wird unser Anteil daran, und wussten, wir machen die Musik und es gibt einen Monolog vom Franz. Es wurde dann besser als gedacht. Muss man sich anschauen.

Helmuth Brossmann: Laienschauspieler können nur sich selbst spielen.

FAW: Wir wollten uns durchaus auf die Theaterkriterien einlassen und nicht nur blockieren und dauernd die coolen Macker machen. Viele Leute haben mir aber gesagt, es ist auch fast nur möglich in einem Theater wie dem Rabenhof mit dieser Musikanbindung. Der Text ist uns auch sehr entgegengekommen, weil die Sibylle Berg in der Zusammenarbeit enorm uneitel war, was den Text betrifft.

KM: Das gleiche mit »Alpenkönig und Menschenfeind« zu machen, nein, lieber nicht.

Kreisky ist in der Theaterwelt sehr beliebt, oder? Mit Nummern wie »Scheiß Schauspieler«.
FAW: (lacht) Ja, wir haben ein theatralisches Element in unserer Musik drinnen, das wird durchaus geschätzt. Wie so oft findet jeder die andere künstlerische Welt noch grüner. Schauspieler und Literaten finden alle die Rockmusik so unglaublich, wenn man »so etwa machen kann«. Besonders wenn leichte Punkanteile in Spurenelementen vorhanden sind. Auf jeden Fall hat es bei dem Theaterstück gut gepasst, denn wenn Schauspieler auf der Bühne eine Band spielen: Um Gotteswillen! Da ist dann jede Geste zu groß. Wir machen schon große Gesten.

Dürfen wir uns im Rahmen der neuen Platte auf ein neues Video freuen? Vielleicht wieder etwas mit Katzen oder diesmal vielleicht Hunden?
FAW: (lacht) Das ist gar nicht so weit weg. Einfach logisch kombinieren, dann kann man es erschließen.

Es gibt also eines?
HB: Wir haben gestern eines gedreht. Zwei Stück machen wir. Eines zu »Veteranen der vertanen Chance« und im März kommt dann ein zweites Video, aber nicht Katze und nicht Hund.

Die Single-Auskopplung des neuen Albums

Bei »Veteranen« geht es ums Lottospielen.
FAW: Auch. Das war auch eine sehr spontane Nummer. Gefühlsmäßig ein New Wave Pastiche, dieses Feeling hat sich dann angeboten, so zwischen Joy Division und The Cure. Nicht das Singen imitieren, aber eine gewisse Larmoyanz sollte drinnen sein.

HB: Aha, was man da für Sachen erfährt.

FAW: So hat sich dann der Text ergeben. Man kann nicht sagen, es geht um Lottospielen, es ist nur eine solche Vignette. Ich habe mir gedacht, die Aneinanderreihung von Bildern ergibt hier schon ein Ganzes. Kann ruhig bausteinig bleiben.

Das Bild vom Lottospielen hat mir gut gefallen, diese typische Entsolidarisierung. Keiner mag sein Leben und denkt sich, eines Tages habe ich die Millionen …
FAW: Ja, ein totales Grundproblem. Ich kann mich daran erinnern, da war vor einigen Jahren dieses große Erdbeben in Italien und zur selben Zeit war Mega-Jackpot mit über 100 Millionen Euro. Einige Stimmen schlugen vor, man solle 90 Millionen abschöpfen und dann ist der Jackpot immer noch 10 Millionen, was für einen Gewinner massig reicht. Da gab es dann einen Riesenaufschrei. Dabei beträfe die Nichtausschüttung des Geldes nur genau einen Menschen, der immer noch 10 Millionen erhält. Die Auswirkung ist nichtig, aber die Hoffnung auf diesen Lottogewinn ist immer noch größer als die Solidarität mit den anderen. Bei den Umverteilungsdebatten will man den Leuten gar nicht so gerne etwas wegnehmen, weil es immer die Hoffnung gibt, eines Tages hab’ ich ein Schloss und dann will ich meine zwanzig Pferde haben und nicht nur drei.

KM: Das ist genau die Frage, warum wählen Leute, die keinen Besitz oder Immobilien haben, die ÖVP? Ich hab’ nicht viel, aber wenn ich es dann hab’, dann nimmt mir keiner was weg.

HB: Und man will sich ja auch nicht als arm fühlen, sondern man ordnet sich da selbst nicht ein.

KM: Da geht es schon um aktive Entsolidarisierung. Es ist eine perfide Psychologie, wie sich da Parteien politisch festlegen. Weil sie wissen, keiner will zu den Losern gehören. Jeder gibt vor, besser zu stehen als er es tut. Oder um an diese alten Konzepte der Nachkriegszeit zu vertrauen: Wenn du fleißig bist, dann wird es schon gehen.

FAW: Das geht sich schon lang nimmer aus.

HB: Das sieht man an Amerika, da konnte der American Dream ja immer verkauft werden und somit neoliberale Politik dem einfachen Mann schmackhaft gemacht werden.

Wie George Carlin sagte: Wenn du den amerikanischen Traum träumen willst, dann musst du schlafen. Was kann man eigentlich dagegen machen, als Musiker oder Popautoren?
FAW: (lacht) Da verwehre ich mich per se. Weil grundsätzlich bin ich nicht so ein wahnsinnig politischer Denker und kann das auch nicht umformulieren. Ich würde als Diktum einmal sagen: Instrumentalmusik ist genau so viel wert wie Musik mit Text. Da wird schon einmal der Text teilentlastet, weil Musik ein System ist, das dann für sich einen künstlerischen und Ausdruckswert hat. Die Frage stellt sich dann an den Text, wo steckt in der Musik das drin, das interessant ist und das gesellschaftlich bildend ist. Ich glaube, das liegt in der Bildung, die es braucht, um die Musik anzunehmen. Vielleicht auch in einer Gruppenbildung – aber das weiß ich jetzt nicht so.

KM: Was man dagegen tun kann? Man kann als Band das gleiche machen, was alle machen sollten. Also den eigenen Stall sauber halten. Das, wofür man selber steht, lebt in der Band weiter. Würde jetzt auf FM4 jemand ganz eigenartige Sachen machen und Nazi-Bands spielen, dann würden wir natürlich sagen: »Stopp, wir machen nicht mehr mit.« Das sind so kleine Sachen, die gar nicht sehr nach außen gehen.

HB: Klar, im persönlichen Bereich muss man politisch sein.

FAW: Und bei der Musik einfach das Level nicht niedrig halten. Nicht einfach nur aufs Publikum gehen, sondern in einer Form ehrlicher Kommunikation zeigen, was wollen wir ausdrücken. Und vielleicht, dass alle auf Augenhöhe sind. Das ist aber auch wieder so ein komisches Wort.

Das ist so ein SPD-Wort.
FAW: (lacht) Ja genau. Es geht halt um Kommunikation.

KM: Es kann ja Politisches streifen, aber es geht ja seit Jahren um diese schreckliche Rede von der Authentizität, die da gefordert wird. Oder die gar nicht so gefordert wird, sondern die wird heute vorausgesetzt. Etwas ist authentisch und deswegen findet man es gut. Meistens geht es darum: Hat wer einen Hut auf, dann fällt er in diese eine Schiene und gilt als authentisch.

FAW: Genau.

KM: Das ist schrecklich, das halte ich überhaupt nicht aus. Und typischerweise sind dann immer die Musiker und die Bands, die das dann aktiv so betreiben, logischerweise eh immer die, die am allerwenigsten authentisch sind.

FAW: Oder die, wie es bei Max Goldt heißt, die sich meterweit über dem Massengeschmack wähnen und es sind dann doch nur wenige Millimeter.

KM: Aber das sind so Sachen, wo ich finde, dass man sich als Band durch die eigenen Handlungen davon abzusetzen hat.

FAW: Unsere ganze Herangehensweise ist so, dass wir uns genieren würden, wenn wir zweimal das gleiche Lied machen würden. Oder wenn wir jetzt einen Hit nachbilden würden. Das machen andere Leute ganz offensichtlich. Wir wollen ja keinen Markt knacken und so glaube ich das Tatsächliche, wie man dann politisch wirkt, ist halt dann die Frage, wie man es macht, wie ist die Form von dem Ganzen? Und die Form ist letztlich wichtiger als der überbewertete Inhalt.

KM: Aber auch der Umgang mit dem Publikum. Mir ziehen sich alle Eingeweide zusammen, wenn ich Videos sehe, wie Bands am Nachmittag vom Festival X die gleichen Staples machen wie die Bands, die dann abends vor voller Wiese spielen. Die gleichen Moderationen, die Kleidung, die Musik, es wirkt wie Malen nach Zahlen.

FAW: Das ist häufig ein vorzeitiger Gestenerguss.

KM: Genau, um 13 Uhr vor 200 Leuten und alle müssen mitklatschen. Hier muss man gute Miene zum bösen Spiel machen, aber es ist sehr frustrierend.

Man kann nicht mehr hinschauen © Ingo Pertramer

FAW: Ich kann mich auch noch daran erinnern, wie ich vor 15 Jahren eine österreichische Band vor sieben zahlenden Leuten im Chelsea gesehen habe und sie haben englische Ansagen gebracht. Da wird ein Plan abgehandelt, eine frühe Professionalisierung, und da bin ich schon froh über die eigene Genese, die aus Kassetten und Do-it-yourself und Blödsinn kommt.

HB: Ich habe mal bei einer anderen Band – deren Namen ich jetzt nicht sagen werde – beim Schlagzeuger im Proberaum einen Zettel liegen sehen, mit einer ausgearbeiteten Zielgruppenanalyse. Man sollte überhaupt gleich mal mit einem Marketingkonzept starten, bevor es noch Musik gibt.

KM: So wie jede Band heute einen Grafiker in der Band hat, sollte eigentlich auch in jeder ein WU-ler sitzen.

Oder ein Werbetexter. Von der FPÖ gibt es ja jetzt diesen Spruch »Kreisky würde Strache wählen«. Also genau genommen: Strache sagt, Kreisky würde Strache wählen, was sagt denn Kreisky dazu?
FAW: (lacht) Pfiffig und markig ausgedrückt. Gut gebrüllt, aber ist ein gescheiter Blödsinn.

KM: Das ist so ein klassischer Medienschmäh, das, was quasi der größte Gegensatz ist, und wo man sich denkt, das würde er niemals sagen, das macht er dann.

HB: Eine Vereinnahmung von einer Ikone die sich nicht mehr wehren kann.

FAW: Mozart würde wahrscheinlich auch Strache wählen.

Mozart wäre in der John Otti Band.
FAW: (lacht) Ha, das wiederum glaube ich nicht. Wie klug Mozart politisch war, das weiß ich nicht, aber musikalisch hätte er das nicht über sich gebracht. »Mozart wäre in der John Otti Band« ist ein schönes Motto, bringt den Blödsinn auf den Punkt. Muss man sich merken und ist ja eh aufgenommen jetzt.

KM: Kreisky war ja schon ein ganz guter Bandname, aber wir können für zukünftige Generationen rechtefrei einen Namen von uns anbieten, die »John-Otti-Band-Tribute-Band«. Das wäre perfekt.

HB: (lacht) Ja, ein Irrsinn. Man behauptet einfach etwas, das so far out ist, damit man die Linken sekkiert, und die Rechten rülpsen zwischen zwei Schluck Bier und es ist ihnen eh wurscht. Damit deckt man dann viel Gelaber über die großen Themen drüber. Und es hat Monate beim Trump gedauert, bis die Leute gecheckt haben, der macht diese Gags, weil er die Sachen da drunter verdecken will. Es gibt da kein Genieren mehr.

FAW: Was tatsächlich in Österreich verbreitet ist, ist das Primat des guten Schmähs. Wenn einer einen guten Schmäh bringt, dann passt es, auch wenn er nicht recht hat.

KM: Das Witzige ist, dass der Strache wahnsinnig unlustig ist.

HB: Sind ja alles geschriebene Lines.

FAW: Aber sie transportieren es im Print dann immer ganz gut. Und das Strache-Publikum ist für Finessen in Sachen Timing oder so nicht sonderlich empfänglich.

KM: Stichwort Timing für die Sache mit der Trommelgruppe. Da hätte er vom Goebbels eine Fotzn links und eine rechts gekriegt für die schlechte Inszenierung.

Kann man die Hoffnung haben, der Strache fährt das bald an die Wand oder wird das jetzt was Längeres?
FAW: Es fühlt sich leider anders an als die Regierung Schüssel.

HB: Die Rechten sind viel rechter als damals.

FAW: Und sie haben europaweit ein Backing, sie sind im Mainstream.

HB: Damals waren es wirklich die dümmsten Kasperln von der FPÖ und der Schüssel hat es eh drauf angelegt, sie gegen die Wand fahren zu lassen. Aber jetzt fahren sie ein gemeinsames Programm.

FAW: Früher gab es EU-Sanktionen und heute sagt jeder: »Danke, lieber Kurz, dass du nicht der Orbán bist.«

Wenn man sich diese ganzen Abgründe bürgerlichen Lebens anschaut, dann habe ich das Gefühl, die stecken schon in den Kreisky-Songs mit drin und es geht doch auch darum, mit der Indie-Musik da rauszukommen, oder?
HB: Ja, deswegen macht man Musik.

FAW: Aber es ist gar nicht unbedingt »Rauskommen«, sondern eher Feier der Entfremdung. Also nicht Rauskommen, sondern damit klarkommen, dass da etwas nicht stimmt. Das ist eher eine Welt, die steht zu deiner komplett quer. Dann gibt es aber Bücher und Platten, da denkt man sich: Aha, das ist ein guter Keil. Dann passt es vielleicht wieder.

Zum Schluss noch eine Frage. Wir haben ja gerade unseren Relaunch bei skug gemacht. Was muss man eigentlich machen, damit Leute so ein Musikmagazin lesen?
KM: (lacht) Schwierig. Musik ist gerade alles andere als Leitkultur. Ist ziemlich weit weggedriftet. Logischerweise war das auch die Digitalisierung – ohne das jetzt zu verteufeln. Das hat Musik schleichend entwertet. Nicht dass die Musik qualitativ schlechter geworden wäre, ganz im Gegenteil, aber die technische Verfügbarkeit hat so eine gewisse Entsolidarisierung erzeugt. Man kann sich die Musik in der Nacht zusammenklicken und jeder hat seinen eigenen Pool. Als noch getapet wurde oder man sich gegenseitig CDs gebrannt hat, war das anders. Das hat irgendwie dazu geführt, dass Musik kein Medium mehr ist, über das man spricht. Wenn man heute irgendwo hingeht, dauert das Gespräch maximal zwanzig Minuten und dann ist man bei einer Fernsehserie und bleibt dabei hängen. Weil alle gerade ihre ganze Zeit mit Fernsehserien verbringen. Musik wurde kommerzialisiert, aber das ist heute schon wurscht, alle klammern sich an die letzten Strohhalme. Einerseits das Live-Geschäft und andererseits schauen, ob man irgendwo in einer Werbung vorkommt. Sonst gibt es kein Geld mehr.

FAW: Ja, die Frage war nach dem Musikmagazin und da ist natürlich das erste Problem, wenn langsam das Thema untergeht und an Bedeutung verliert. Und da kann es natürlich eine gute Aufgabe von einem Musikmagazin, sein das Medium wieder mit Bedeutung aufzufüllen.

Wir bemühen uns.
FAW: skug hat ja auch viel historisch gearbeitet, das ist ja lohnend. Das hat eine historische Breite, aber wo ist das Publikum? Was in der gröberen Musikpresse passiert, ist schon teilweise sehr langweilig. Es gibt den selben Artikel, wie und wo eine Band aufgenommen hat: »Aha, jetzt machen sie kürzere Songs und jetzt machen’s längere Songs.« Das ist alles sehr langweilig. Wichtig ist halt auch, dass die Sachen gut lesbar sind.

Bei uns sind die Interviews leider meistens sehr lang. Teil 1 findet sich hier.

Kreisky: »Blitz« (Wohnzimmer Records) erschien am 16. März 2018.

Kreisky auf Tour:

12.04.2018 Graz, PPC

13.04.2018 Innsbruck, PMK

14.04.2018 Linz, Stadtwerkstatt

19.04.2018 Wien, WUK

07.05.2018 München, Milla

09.05.2018 Hamburg, Häkken

10.05.2018 Berlin, Berghain Kantine

11.05.2018 Köln, Subway

12.05.2018 Stuttgart, Merlin

Link: www.kreisky.net

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