mos

»mnemonic«

Col Legno

Die Vorarlberger Combo Mose hat mit dem Wiener Trio mos (vormals month of sundays) wenig gemein, außer wunderschöne Trompetenklänge. Alexander Kranabetter spielt diese bei mos noch experimenteller und verfremdet sie auch mit Electronics. Ergänzt wird das Dreiergespann von Johannes Wakolbinger (dr, synth) und Ivo Fina (g, electronics) und erinnert zum Einstieg sogleich ein bisserl an den Sound von Fennesz. Stimmige, flirrende Klänge, sachte begleitet von einer Trompete, und ab Minute 4 legen Schlagzeug und Beats los, überlagert von sphärischen Sounds, die, schon wieder ein bisschen, an Nils Petter-Molvaer erinnern. Doch der Klangkosmos von mos ist absolut eigenständig, klingt freier. Die Trompete setzt schwermütige Akzente, vermag aber auch ganz kurz auszubrechen. Organisch verschränken sich darunter Drums und Gitarre und der Triosound wird des Weiteren mit elektronischen Sperenzchen ausstaffiert. »mnemonic« wirkt ästhetisch ausbalanciert und gekonnt, schlafwandlerisch weben die drei Musiker minimalistisch reduzierte und improvisierte Texturen. Ein Highlight des 30-jährigen Labels Col Legno. Nach der noch auf Neue Musik konzentrierten Gründung in Deutschland ist Col Legno längst in der Wiener Schönlaterngasse situiert und bleibt seinem Paradigma verpflichtet, Zeitgenössisches mit Visionen zu veröffentlichen. Issues in zeitlicher Nähe zu »mnemonic« bezeugen das. Auf »Prolifics« des Duos Josef Novotny/Peter Herbert regieren jazzige Impressionen mit stilistischer Offen- und Gediegenheit. Auf »Breezes From Here And There« vom Trio MIT erklingt Orient-Touch mit Oud des Syrers Orwa Saleh und Lukas Lauermanns grandioses neues Solowerk »Interploitation« hat Christoph Benkeser bereits in seiner Berserker-Monatsrevue rezensiert.