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Mit Poptheorie durch die Corona-Krise

Der Irritation und Überforderung mit der aktuellen Lage kann beigekommen werden, indem einmal der Poptheorie-Mixer angeworfen wird. Opfer, Prekariat, Konsum und viel Schokolade helfen, die Krisenreaktion des postautoritären Charakters zu begreifen. Teil unserer Serie zur Normalität in Zeiten des Virus.

Kann Poptheorie helfen, die Corona-Krise besser zu verstehen? Das habe ich mich gefragt. Nicht das Wissenschaftliche. Eher das Gesellschaftliche. Was mich an der Corona-Krise nämlich am meisten irritiert, ist, dass es Reaktionen gibt, die ich einfach nicht verstehen kann. Warum glaubt man Wissenschaftler*innen nicht, dass es Covid-19 wirklich gibt? Und dass es gefährlich ist? Warum ist man gegen das Tragen von Masken? Warum randaliert man, wenn man keine Party in der Innenstadt machen darf? Warum spricht jemand von »Diktatur« oder von »Ermächtigungsgesetz« und vergleicht Angela Merkel mit Hitler? Und warum vergleichen sich Leute, die gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung sind, mit Sofie Scholl, Anne Frank oder tragen einen gelben Davidstern mit »Impfgegner«-Beschriftung? Warum sind diese Leute so? Und sind wir ganz anders? Kann die Poptheorie antworten? Ich habe einfach mal ein paar Bücher, die ich gelesen habe in den Mixer geworfen und herausgefunden: Ja, die Poptheorie hilft. Irgendwie.

Der postautoritäre Charakter
Als Kind ernährte ich mich hauptsächlich von Schokolade. Manchmal war keine Schokolade da. Das machte mich wütend. Meine Mutter entschuldigte sich. Aber ich schimpfte. »Es ist immer Schokolade da, wieso jetzt nicht, das ist doch nicht zu viel verlangt, oder?« Ich tobte. Die Erwachsenen waren scheiße. Ich wollte doch einfach nur Schokolade. Das war doch nicht zu viel verlangt, oder? Ich vermutete, dass es Absicht war. Alle waren immer so gemein zu mir! Wahrscheinlich taten sie nur so, als hätten sie es vergessen. Sie wollten mir einfach nur mein Hauptnahrungsmittel wegnehmen.

Der pop-affine Kulturjournalist Thomas Edlinger würde meine Reaktion »opfernarzisstische Hyperkritik« nennen. Eine wehleidige Form der Kritik, mit der man sich selbst zum unschuldigen Opfer bösartiger Autoritäten stilisiert. Edlinger spricht vom »postautoritären Charakter«. »Autoritäten«, beschreibt Edlinger diese Haltung, »sind autoritär – und deshalb dazu da, kritisiert zu werden.« Kinder seien die ideale Projektionsfläche für die opfernarzisstische Hyperkritik. »Sie können nichts dafür. Sie sind immer Opfer.« Das Kind ist nicht schlecht in Mathe, es hat Dyskalkulie. Das Kind ist nicht schlecht in Deutsch, es hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Das Kind ist nicht ungezogen, es hat ADHS. Das Kind hat keine schlechten Noten, sondern die Lehrkraft hat ihm nichts beigebracht. Weil sie nicht auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht! Die Lehrkräfte machen ihre Arbeit nicht und Kinder müssen darunter leiden! Mama hat im Internet recherchiert und das alles herausgefunden! Warum wissen das die Lehrkräfte nicht? Das potenzielle Opfer wird zum Potentat. Die Lehrkraft soll »mit dem inthronisierten Kind nun einen Dialog auf Augenhöhe« führen. »Leider müssen vor diesem Thron die Größeren auf die Knie.« Die postautoritäre Moral glaube nicht mehr an Gott, Vaterland oder Partei, sondern an das private Glück. Eine Art Neo-Biedermeier.

Der postautoritäre Charakter lässt sich nichts erzählen. Politikerinnen? Wissenschaftler? Managerinnen? Pädagogen? Die wissen es doch auch nicht besser als man selbst! Der postautoritäre Charakter leidet unter dem Dunning-Kruger-Effekt. Also der Neigung mancher weniger kompetenter Menschen, das eigene Wissen und Können großspurig zu überschätzen, aber die überlegenen Fähigkeiten anderer nicht zu erkennen. Denn überlegene Fähigkeiten bei anderen sind aus der Sicht des postautoritären Charakters autoritär. Daraus entsteht eine wehleidige Weltsicht, in der man sich selbst ständig als Opfer sieht. Oft als Opfer der Unfähigkeit oder sogar Bösartigkeit aller anderen, die ihren Aufgaben nicht richtig nachkommen. Und darum wird jede Ansatzmöglichkeit, Autoritäten ins Wanken zu bringen, genutzt. Als in den Sechzigern zum Sturm auf die oft selbstherrlichen Autoritäten geblasen wurde, hatte das seine absolute Berechtigung. Die Welt ist dadurch ein besserer Ort geworden. Aber der böse kleine Ableger ist der opfernarzisstische und postautoritäre Charakter.

Keine Zeit für Engagement
Die Arbeitswelt hat sich verändert. Richard Sennetts Modell des flexiblen Menschen ist Realität geworden. Daraus entstehen für das verwöhnte und wehleidige Selbstbewusstsein des postautoritären Charakters ganz neue Probleme. »Irgendwo zwischen meinem Studienende und dem ersten Vollzeitjob ist mir die Fähigkeit abhandengekommen, mich so richtig volllaufen zu lassen«, schreibt die Journalistin Bianca Jankovska. Sie hat auch ein Buch über dieses Problem geschrieben. Es heißt »Das Millennial-Manifest«. »Als vollwertiges Mitglied der Generation Komasaufen traf ich mich lieber jeden Freitagabend mit meinen drei Freundinnen, um nach der Schule im Kinderzimmer des hoffentlich leeren Elternhauses heimlich Malibu Orange zu trinken.« Und dann ergeht sie sich darin, dass ihr die Arbeit das ganze Party- und Saufleben versaut habe. Sie selbst bleibe inzwischen lieber daheim und gucke im Bett Netflix. Die Freunde hätten manchmal sogar schon Kinder und auch keinen Bock mehr auf Saufen. Die Arbeit überwuchere das Privatleben so sehr, dass man sich als Millennial nicht mehr traue, zu feiern. Befristete Verträge, das Prekariat und alles ist ganz schlimm. Und Schokolade geht auch nicht wegen der Selbstoptimierung. Hilfe, ich bin ein Opfer und alle sind voll gemein zu mir!

Darum hat der postautoritäre Charakter eigentlich keine Zeit für Engagement. Der Soziologe Ingolfur Blühdorn (der mit Poptheorie gar nichts zu tun hat, aber hier einfach gut passt) betrachtet Jankovskas Problem etwas distanzierter. Er meint, dass die modernen Bürger*innen die »heutigen lebensweltlichen Realitäten als Zumutung« empfinden. Sie fühlen sich als Opfer. Die Arbeit dringt tief in das Privatleben ein. Die Kinder müssen zur Nachhilfe, zum Sport und zum Instrumentenunterricht. Die Eltern müssen ins Fitnessstudio und ihr internationales Sozialleben pflegen. Das Management einer Kleinfamilie fühlt sich an, als führe man ein mittelständisches Unternehmen. Demokratisches Engagement werde zum »Hindernis, zur unerträglichen Belastung und zunehmend als ungerechtfertigte persönliche Einschränkung erfahren, die die wahre Freiheit und Selbstverwirklichung behindert.« Der moderne Familienmensch hat also keine Zeit, sich für die Demokratie zu engagieren.

Aber wirklich möglich ist Selbstverwirklichung nur in einer Demokratie. Und zwar in einer Demokratie mit den Wahlmöglichkeiten eines voll entfalteten Kapitalismus. Demokratie, meint Blühdorn, sei »die denkbar beste politische Hülle zu seiner Entfaltung«. Der Markt habe sich inzwischen alle nur denkbaren Lebensfelder erschlossen. Es gebe »kaum noch eine Beschäftigung, einen Tätigkeitsbereich (…), in dem das Individuum in seinem Denken und Handeln nicht von den zur Verfügung stehenden Produktpaletten und ökonomischen Erwägungen bestimmt wäre«. Einkaufszentren und Online-Plattformen wie Amazon, Netflix, Tinder & Co. bestimmen unseren Alltag. Und jetzt kommt Blühdorn zum Kern des postautoritären Charakters: »Kaufhandlungen sind eben auch zum wesentlichen Mittel der Identitätskonstruktion und Selbsterfahrung geworden.« Denn: »Shopping macht Identität erfahrbar, ohne dass diese zur Verpflichtung würde.« Eine Diktatur würde einen freien Markt und damit eine umfassende Selbstverwirklichung in Frage stellen. »Der Kapitalismus braucht die unbehinderte Entfaltung der privaten Bedürfnisse, die Ausdifferenzierung der Identitäten und Lebensstile, den freien und vielseitigen Konsumenten.« Der postautoritäre Charakter erwartet also, dass er sich umfassend verwirklichen kann, umfassend in Entscheidungen eingebunden ist und alle Freiheiten genießen kann. Das alles aber, ohne sich engagieren zu müssen. Blühdorn spricht vom postdemokratischen Paradox.

Rechts ist das neue Links
Öffentlich-rechtliche Medien und andere Mainstream-Medien sind dem postautoritären Charakter zu autoritär. Denen muss man nicht alles glauben! Und dann fanden die wehleidigen Selbstverwirklicher im Internet plötzlich jemanden, der sagt, wie es aussieht! Vielleicht war es »Tichys Einblick«, vielleicht die »Bild«, vielleicht auch »Die Achse des Guten« oder »Ken FM«. Oder Gangstarap. frauenfeindlicher, antisemitische Gewalt, Kriminalität und Drogen verherrlichender Gangstarap. Hier manifestiert sich eine reaktionäre Popkultur. Ex-Sex-Pistol John Lydon (aka Johnny Rotten) entpuppt sich als Trump-Verehrer und gibt sich gelangweilt von »intellektuellen linken Ideen«. Das entlarvt die Arschlochhaftigkeit der Punk-Protestgeste und bestätigt ein bisschen das jungkonservative Vorurteil »Ihr seid immer nur dagegen!«.

In den Neunziger-Jahren schien uns die Postmoderne ein neues Paradies zu versprechen, in dem alles und jeder sein kann, wie er will und was er will. Jetzt sind wir am Unhappy End der semiotischen Guerilla angekommen. Statt Attac nutzen jetzt die »Identitären« und die »Querdenker« die Mittel des semiotischen Widerstands. Methoden, von denen man dachte, sie seien von Natur aus links, sind jetzt rechts. Alles kommt durcheinander. Auf einmal ist »Alternative« und »Widerstand« kein linkes Attribut mehr, sondern rechts!

Der Popautor Simon Reynolds hat mir in einem Interview über sein Buch »Sex Revolts« erzählt, dass das Rebell/Außenseiter-Diskursmuster die Grenzen der Rockmusik überschritten habe. Es sei zum Teil der Gedankenwelt Libertärer- und Altright-Politik geworden. Der Ärzte-Schlagzeuger Bela B. bringt diese Diskursverschiebung auf den Punkt: »Wenn ich bedenke, dass in der Pandemiesituation wir traditionell linksgerichteten Musiker jetzt plötzlich die Vernünftigen sind, die dazu aufrufen, Maske zu tragen und Abstand zu halten … und dass uns das dann von unseren Gegnern als Spießigkeit ausgelegt wird! Es verschieben sich gerade die Dinge.« Die politischen Stereotypen funktionieren nicht mehr. Rechtsradikale Rastas, linke Identitäre. Klassische linke Milieus rücken, auf esoterischen Wellen surfend, nach rechts und fühlen sich dort pudelwohl. Horst Mahler scheint tatsächlich ein Role-Model zu sein.

Die neue Normalität
Der Pop-Historiker Bodo Mrozek betrachtet Pop als »einen mit anderen zeithistorischen Prozessen eng verschränkten Kernbereich der Geschichte«. Er benutzt in seinem Buch »Jugend/Pop/Kultur« das Normalismus-Diskursmodell des Literaturwissenschaftlers Jürgen Link, um zu beschreiben, wie Pop sich Mitte der Sechziger-Jahre als neue Kultur etablierte. Link untersuchte auf den Spuren Michel Foucaults anhand einer umfassenden Diskursanalyse das Spektrum dessen, was als »normal« gilt, und wie »normalisiert« wird. Die Analyse stammt aus dem Jahr 1997. Link gab dem normalistischen Diskurs ein Zentrum. In diesem Zentrum kreuzten sich das politische Rechts/Mitte/Links-Schema, die Wachstumskurve (also der Fortschritt) und die Gauß’sche Normalverteilung. Das Zentrum ist umgeben von einer nach links durchlässigen, flexiblen und nach rechts geschlossenen »Extremismus-Grenze«. Hinter ihr liegt das »wilde Außen«.

Das sieht heute möglicherweise anders aus. Das Web 2.0 hat den postautoritären Selbstverwirklichungskonsumenten die Möglichkeit gegeben, eine eigene Mitte und eine eigene Extremismusgrenze zu konstruieren. Zwar gibt es immer noch den großen Normalismus-Diskurs. Aber das Zentrum ist nach rechts verschoben. Die Grenze nach rechts ist flexibler und durchlässiger geworden. Die extremen Ränder bilden keine klaren Pole mehr. Die narzisstischen Selbstverwirklicher definieren ihre eigene Normalität, denn sie lassen sich von niemandem erzählen, was sie für normal zu halten haben.

Die Querdenker demonstrieren für »Frieden, Freiheit und wahre Demokratie«. Die AfD will, dass endlich wieder das Grundgesetz ernst genommen wird. Die Partyszene randaliert. Alle finden, dass man ihre Freiheit einschränkt. Alle wollen ihrem Affekt nachgeben. Alle sind Opfer. Alle anderen sind schuld. Das führt zu einer umfassenden Entsolidarisierung. Migrant*innen ertrinken im Mittelmeer? Sollen sie doch zu Hause bleiben! Impfstoff? Nur für uns! Ein dem gelben Davidstern nachempfundener Impfgegnerstern? Angela Merkel mit Hitler vergleichen? Sich als Corona-Maßnahmengegner*in auf eine Stufe mit Anne Frank und Sofie Scholl stellen? Opfernarzissmus identifiziert sich natürlich mit Opfern. Die Nazis sind die anderen. »Aus Gründen des Selbstschutzes tun Narzissten etwas, das man Splitting nennt: Sie teilen die Welt in Gut und Böse und schieben die Person oder Institution, die in der eigenen Wahrnehmung den Schmerz verursacht hat, in die Kategorie ›böse‹ und schenken ihr nie wieder Vertrauen«, schreibt die Journalistin Kristen Dombek in ihrem Buch »Die Selbstsucht der anderen«. Aber genau das tun Demokrat*innen nicht. In der Demokratie gibt es keine Feinde. Es gibt nur Gegner. Die Corona-Krise hat ohnehin vorhandene Entwicklungen ins Unendliche vergrößert und beschleunigt. Subjekte, deren Identitäts-Performance auf Konsum und Gut-Böse-Opfernarzissmus beruht, tun sich im Lockdown schwer.

Postautoritärer Pop
Die Popkultur beruht auf dem Konsum von Produkten der Kulturindustrie. So beschreiben es Moritz Baßler und Diedrich Diederichsen. Der Konsum schafft Möglichkeitsräume für Lebensstile und hybride Identitätsbildung. Wir alle sind Geschöpfe des globalen, neoliberalen und individualisierten Kapitalismus. Blühdorn hat recht. Aber Konsum ist keineswegs so totalitär, wie ihn etwa Wolfgang Fritz Haug in den Siebziger-Jahren dargestellt hat. Seit Michel de Certeaus »Kunst des Handelns« ist der kreative Charakter im Umgang mit Produkten bekannt. Und der Ethnologe Daniel Miller hat in seiner großartigen Untersuchung »Der Trost der Dinge« belegt, dass Dinge als Akteure in unseren Lebensgeschichten und in unseren Beziehungen eine wichtige Rolle spielen. Identität, meint Judith Butler, kommt von außen. Nicht von innen.

Der postautoritäre Charakter baut seine fragile Identität auf ein Gefühl der Wahlfreiheit. Er lebt in einer bunten Warenwelt, die in der Lage ist, sein Leben einzigartig auszustatten. Jeder ist einzigartig. Jeder ist das Zentrum seiner Welt. Der Warenwelt-Demokratie gelingt es, Lebensstile jeglicher Couleur zu absorbieren. Genau das ist Politik heutzutage: Ein Lebensstil. Identitätspolitik ist eine Frage des Lebensstils. Eine Frage der richtigen Kleidung, des richtigen Orts, der richten Worte, der richtigen Ernährung. Politiker*innen und Wähler*innen produzieren Diskurse, Narrative und Selbstbeschreibungen. Aber der postautoritäre Charakter hat das Gefühl, bevormundet oder hintergangen zu werden. Und wir alle tragen ein Stück postautoritären Charakter in uns. Alle wollen Schokolade. Alle wollen Komasaufen. Alle wollen recht haben. Und zwar jetzt. Ich würde ja gerne sagen: Pop wird uns retten. Stimmt aber nicht. Pop ist bunt und vielfältig. Pop ist Kapitalismus. Keine Sub- und keine Gegenkultur wird die Erlösung bringen. »Die musikalischen Guerillakämpfer der diversen Subkulturen haben die Wertschöpfungskette nur fantasievoller bedient«, meinte Martin Büsser schon im Jahr 2002. »Aber gerade, weil die Form der Ware ihrem Inhalt gegenüber gleichgültig bleibt, ist in dieser Form letztlich alles zu haben, selbst der Zündstoff für ihre eigene Negation.«

Und so könnte es tatsächlich sein, dass der Markt die Demokratie rettet. Kein entfesselter Markt, sondern ein Markt, der sich seiner demokratischen Verantwortung bewusst ist. »Gewiss, jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern; das Recht aber, diese Meinung mit der Wahrheit zu identifizieren und für den Andersdenkenden Scheiterhaufen zu errichten, das hat er nicht.« Ein Zitat von Hedwig Dohm, das die Historikerin Hedwig Richter getwittert hat. Und eine Weisheit, die inzwischen vielleicht auch bei den großen Social-Media-Anbietern angekommen ist. Zumindest während der Präsidentschaftswahl in den USA. Das postmoderne »Anything goes« hat zur Voraussetzung, dass man es auch gehen lässt. Und das heißt auch, Intoleranz gegenüber den Intoleranten. Wir alle sind zumindest partielle postautoritäre Charaktere. Wir alle wollen recht haben. Wir alle wollen immer Schokolade kriegen und saufen gehen. Wir Popper verstehen ja vielleicht, dass Pop nur funktioniert, wenn es Mods und Rocker gibt, wenn es Waver und Punks gibt, wenn es Techno und Grunge gibt, wenn es die Beatles und die Rolling Stones, K-Pop und Schlager gibt. Das wehleidig-verwöhnte Wohlstandsdispositiv darf uns nicht überwältigen.

Literatur
Baßler, Moritz: »Western Promises. Pop-Musik und Markennamen«, Transcript, 2019.
Blühdorn, Ingolfur: »Das etablierte Lamento trägt nicht zur Veränderung bei. Das Konzept der Simulativen Demokratie«, in: »INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft«, 3/2013.
Blühdorn, Ingolfur: »Simulative Demokratie. Neue Politik nach der postdemokratischen Wende«, Suhrkamp, 2013.
Büsser, Martin: »Antipop. Essays und Reportagen zur Popkultur in den Neunzigern«, Ventil, 1998.
Butler, Judith: »Kritik der ethischen Gewalt. Adorno-Vorlesungen 2002«, Suhrkamp, 2007.
de Certeau, Michel: »Die Kunst des Handelns«, Merve, 1988.
Diederichsen, Diedrich: »Über Popmusik«, Kiepenheuer & Witsch, 2014.
Dombek, Kristen: »Die Selbstsucht der anderen«, Suhrkamp, 2016.
Edlinger, Thomas: »Der wunde Punkt. Vom Unbehagen an der Kritik«, Suhrkamp, 2015.
Haug, Wolfgang Fritz: »Kritik der Warenästhetik«, Suhrkamp, 1997.
Jankovska, Bianca: »Das Millennial-Manifest«, Rowohlt, 2018.
Jankovska, Bianca: »Wir haben aus falschen Gründen verlernt, uns zu betrinken«, in: »Zeit Online«, 22.11.2018. https://www.zeit.de/arbeit/2018-11/das-millennial-manifest-trinkkultur-alkohol-jugend-beruf-kater
Link, Jürgen: »Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird«, Westdeutscher Verlag, 1997.
Miller, Daniel: »Der Trost der Dinge«, Suhrkamp, 2010.
Mrozek, Bodo: »Jugend/Pop/Kultur. Eine transnationale Geschichte«, Suhrkamp, 2019.
Sennett, Richard: »Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus«, BTB, 2006.