Megan Nash

»Seeker«

Acrönym Records

Beim ersten Reinhören erscheint der Sound dieses Albums großteils zu sentimental und die Stimme von Megan Nash mag ich nicht leiden. Zwar lässt ein Songtitel wie »Vampire« inhaltlich auf Reizvolleres, nämlich »Blut« bzw. »Böses« hoffen, aber das geht nicht auf, denn die meisten Nummern sind einfach zu langsam. Singer-Songwriting halt. Geschmacksfrage. Wobei ich nicht eine generelle Aburteilung dieses Genres vornehme, denn natürlich gibt es hin und wieder das eine oder andere langsame und sentimentale Stück, das berühren kann. Kaum so im Album von Megan Nash. Obwohl es manche Songs darin gibt, mit denen ich stärker sympathisiere. Es sind schnellere mit mehr Schwung, wie »Offsale Gin«, die mit viel Trompete und Schlagzeug aufwarten. Selbst Megan Nashs Stimme passt dort zum Move, zu den Vibes. Tja, immer alles ambivalent irgendwo.

Die Zusammenarbeit mit der kanadischen Ambient/Alt-Rock-Band Bears in Hazenmore war sicherlich die beste Entscheidung. Megan Nashs Stimme wirkt durch die Instrumentierung kraftvoll und wird vielen Hörer*innen vermutlich auch gefallen. Mir ist sie vielerorts zu dominant. Den anderen Instrumenten kann ich hingegen viel mehr abgewinnen, wie den Blasinstrumenten, dem Schlagzeug und selbst das Pfeifen in »Salted Salamanders« sagt mir zu. »Joan« ist ein weiteres Stück, das ich mochte, weil Nash darin nicht singt, sondern spricht, und der Klangteppich sich dahinter großartig ausbreitet. Nashs Stimme sagt mir am ehesten dann zu, wenn sie verwegen klingt wie in »Saturn Calling«. Auch wenn ich anfänglich soundtechnisch gewisse Probleme mit diesem Album hatte, konnte ich bei intensiverem Hineinhören bei den oben angeführten Songs doch eine beachtliche Begeisterung und Entzückung entwickeln.

Obwohl Nash optisch – wenngleich cool tätowiert – sonst nicht so mein Fall ist (um an dieser Stelle mal wieder stereotyp das Äußere einer Frau*/Künstlerin* mit zu beurteilen), tritt sie für mich eindeutig und klar als starke Frau auf, denn diese kann sie auf jeden Fall durch ihre Stimme verkörpern. Außerdem kann ich nicht oder nur sehr eingeschränkt empfehlen, Megan Nash in Musikvideos anzusehen. Ich zumindest bin nämlich schnell angenervt von der Hetero-Romantik, die dort meistens reingepackt werden muss. Besser dann schon ihren Clip »These Days« anschauen, der allerdings nicht vom Album »Seeker« ist, in dem singt sie intensiv mit rotem Lippenstift in einer Kirche. Wow.