timekeepers-ii
Marcus Schmickler & Jaki Liebezeit & Hayden Chisholm

»Timekeepers II«

a-musik

Wo anfangen? Vorne vielleicht, historisch betrachtet. Jaki Liebezeits Schlagzeugspiel ist legendär. Einen Beat zu halten, ohne sich gehen zu lassen. Stoisch dranzubleiben, ohne enthusiastisch reinzuhauen. Jeder Versuchung zu widerstehen, die Band – Can – vor sich herzutreiben, sondern stattdessen, einem Metronom gleich, unbeirrbar als Orientierung zu dienen, als Auge des Orkans. Fast schon absurd – um nicht zu sagen unmenschlich – mutet diese Unbeirrbarkeit von Liebezeits Schlagzeugspiel auch auf der A-Seite von »Timekeepers II« an, wo Marcus Schmicklers elektronische Signale gewissermaßen aufgekratzt und quengelig an Liebezeits Beinen hochspringen und gleichzeitig an den Nerven der Zuhörenden zerren. Aber – nix zu machen – der Meister hält souverän den Beat und lässt sich auf nichts ein, egal wie ungeduldig und fordernd die Elektronik sich aufführt; und was die Nerven angeht, es ist eine Geschmackssache. Der Versuch, sich Musik schreibend zu nähern, ist in der Wahrnehmung und anschließenden Urteilsfindung immer (auch) abhängig von den eigenen Vorlieben. Und ich bin immer eher froh, wenn die A-Seite der vorliegenden Veröffentlichung in der Auslaufrille ihr Ende findet und ich die B-Seite auflegen kann. Denn da tritt die Elektronik in den Hintergrund und grundiert und ergänzt dezent den Dudelsack-Drone von Hayden Chisholm. Der Dudelsack ist ja die Orgel für untern Arm, und so wie die Orgel in den letzten Jahren einen Experimental-Music-Hype erfuhr (ich sag’ nur Kali Malone), so könnte es auch dem Dudelsack in naher Zukunft ergehen (siehe auch Brighde Chaimbeul und Lise Barkas & Lisa Käuffert). Mir soll es recht sein, denn mir gefällt die B-Seite des Albums sehr gut. Die ist meditativer angelegt als die nervensägende A-Seite. Aber, jetzt kommt’s, je nachdem, wie man Musik mag, mag auch das Urteil genau andersherum ausfallen. Ich weiß nicht, ob das beabsichtigt war, in der Kombination der beiden Aufnahmen, aber in der relativen (subjektiv-affektiven) Gegensätzlichkeit der Kompositionen scheint mir doch der Witz der Veröffentlichung zu liegen. Man kann auch beide Seiten mögen, wie gesagt, Geschmackssache. Aber in jedem Fall gilt: Wer Musik minimal, repetitiv, auf wenige, effektiv eingesetzte Elemente reduziert, in sich verdreht und um sich kreisend mag, der oder die sollte ein Ohr riskieren, und sich mit »Timekeepers II« auseinandersetzen.

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