Magnet Animals

»Fake Dudes«

Rare Noise Records

Über ein Jahr geht diese Pandemie nun schon, und mindestens genau so lang ist sie auch schon zu lang, wenn nicht noch viel mehr. Denn Zeit ist ja bekanntermaßen relativ, und gemessen an allem, was seit dem Beginn des »Zustands« fehlt, ist sie definitiv und absolut noch viel, viel länger. Mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Jahre keine Konzerte in gewohnter Form. Dabei wäre das doch so gut, zum Beispiel eines von den Magnet Animals, die jetzt mit »Fake Dudes« ihr zweites Album rausbringen und – nicht auftreten. Doch stelle man sich die Situation einfach mal so vor: mittelmäßig verrauchter, mittelgroßer, dunkler Saal. Auf der Bühne eine Band, tightes, vertracktes Schlagzeug (Jorge Servin), hämmernder, eingängiger Bass (Shanir Ezra Blumenkranz) und eine hallige, spärlich eingesetzte Gitarre (Eyal Maoz) – und dazu ein Sänger (Todd Clouser), der wie ein manic preacher seinen in diesen vertrackten drei Jahren angesammelten Gedanken freien Lauf lässt (man muss schon irgendwie krank sein, um bei diesem grässlichen Dauerzustand nicht wenigstens innerlich auch zum manic preacher zu werden) – genau das ist es, nach dem das Tanzbein und der Tinnitus gieren. »Burn the Whole Thing Down« folgt nach dem entspannten Opener, schlägt kurz die Noise-Rock-Richtung ein, gefolgt von »Fake Dudes«, eine Art Funk-Rock-Nummer, die – keine Überraschung – den derzeitigen Weltzustand anspricht. Erinnerung: er ist furchtbar. »Forest in Rome« endet in einem wasserdichten Gitarrensolo. Mitunter artet es in wilde Orgien aus, »Hell is an Empty Place« oder »The Call for the Cure« erinnern – mit durchgehend durch ein Megafon geschepperter Stimme – angenehm an Primus. Recht eklektische Ansammlung von Songs: als rote Linie gelten die Spielfreude und der Sinn für Groove, gespickt ist das Ganze mit einer Portion Wut und Frust. Man wünscht es ihnen und uns, dass Magnet Animals dies bald endlich wieder »in echt« an uns auslassen werden.