Bob Dylan

Love And Theft

Sony/Columbia

Wenn man Dylan-Biograph Clinton Heylin glauben darf, verlief der Aufnahmeprozess mit Daniel Lanois zum Vorgänger »Time Out Of Mind« nicht gerade harmonisch. Nun holte sich Dylan endlich einmal seine Never-Ending-Tour-Musiker ins Studio, denen die Eigenheiten des Chefs schon selbst ins Blut übergegangen sind. Und mit seinen täglichen Mitstreitern konnte Dylan auch so aufnehmen wie er es am liebsten macht: Rein ins Studio, Instrumente anstöpseln, den Recording-Knopf drücken und los geht’s. Weil ihn mit kurzen Ausnahmen seit Jahren ein Writers Block quält, hat er zu einer uralten Methode des Songwritings zurückgefunden. Dylan, ein absoluter Experte auf dem Gebiet des Folksongs, schält seine Songs aus dem Fundus der Geschichte, schreibt um und kehrt mit Abstechern in die Abteilungen Crooner, Rockabilly immer wieder zum Blues zurück. Das hier sind uralte Songs,die irgendwo in einer Zeitschleife hängengeblieben sind und nun von und durch seine Bobness ausgepackt werden. Als Sänger ist Dylan hier Tony Bennett, Sonny Boy Williamson, Dean Martin, Son House, Hank Williams. Und das Genie will es dass, je mehr er sich an Dean Martin anlehnt, doch immer der einsame Wolf Dylan bleibt. Aber bitte liebe Leute, vergesst nicht, dass der Meister den Bierernst nicht erfunden hat. Wenn er sich ins Mondlicht wegschmachtet oder verloren in New Orleans herumirrt, dann sitzt ihm der Schalk im Nacken. Und wir, wir dürfen mitlachen. Ich hoffe Bob Dylan bleibt noch lange so alt.