Kinoreal präsentiert: Personale THOMAS HEISE

„Wenn ein Film in den Keller wandert, weißt du, dass er auch irgendwann wieder rauskommt, und dann muss er immer noch bestehen…“
(Thomas Heise)

Der 1955 in der DDR geborene Thomas Heise gehört zur letzten Generation der DEFA. Seine ersten dokumentarischen Arbeiten beschäftigten sich mit soziopolitischen Phänomenen der DDR und ihres bürokratischen Apparats. Die Effekte der deutschen Wiedervereinigung auf Individuen, familiäre und regionale Gemeinschaften stehen seit Ende der 80er-Jahre im Zentrum von Filmen wie »Eisenzeit«, »Stau-Jetzt geht’s los«, »Neustadt (Stau-Stand der Dinge)« oder »Barluschke«.
Das Gesamtwerk des Filmemachers eröffnet eine ganze Bandbreite an aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen: Privatisierung, die Re-Organisation vormals industrieller Milieus, Arbeitslosigkeit und Rechtsextremismus sind nur einige davon.
Heises dokumentarische Arbeiten zeichnen sich durch einen sehr genauen, insistierenden Blick aus, seine Figuren werden nicht vorgeführt, im Gegenteil: Heise nimmt sich Zeit, bleibt geduldig, er baut eine Beziehung zu seinen ProtagonistInnen auf setzt diese in Beziehung zu ihrem Lebensraum.
»Wozu denn über diese Leute einen Film?«, der Titel seines ersten vollendeten Kurzdokumentarfilms, könnte als programmatische Frage für sein Werk stehen: Es widmet sich Menschen, die im gesellschaftlichen Abseits und zugleich im Schnittpunkt historischer Entwicklungen stehen – ob die ostdeutschen Neonazis aus den »Stau«-Filmen, der Spion aus »Barluschke«, die renitenten DDR-Jugendlichen aus »Eisenzeit« oder das von den Spuren der Geschichte gezeichnete Dorf aus »Vaterland«. In Heises Filmen treten die unterschiedlichsten gesellschaftlichen, politischen und historischen Schichten zutage, die das Leben im Deutschland der Gegenwart mitbestimmen.

Die Personale umfasst alle bisherigen Kino- und TV-Arbeiten Thomas Heises; einen Schwerpunkt zu seiner Arbeit als Theaterregisseur (am Berliner Ensemble mit Heiner Müller) und die Präsentation seines Hörspiels »Vorname Jonas« (»ein Dokumentarfilm ohne Bild«).
Weiters wird sein jüngster Film »Vaterland« seine Österreichpremiere erleben. Thomas Heise und sein langjähriger Kameramann Peter Badel haben ihr Kommen zugesagt und stehen für Interviews zur Verfügung.
Zur Personale wird ein ausführliches Stadtkino-Programm erscheinen.

>> www.kinoreal.at
KINOREAL versteht sich als Plattform zur Erweiterung der Filmkultur mit dem Ziel eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem heimischen wie dem internationalen dokumentarischen Schaffen zu etablieren.

Termin: 9. Mai bis 15. Mai 2003
Ort: Stadtkino, Schwarzenbergplatz 7, 1030 Wien
Karten: 712 62 76