Petra und der Wolf © Hannah May

Keineswegs oberflächlich

Petra und der Wolfs neue EP »Surface!« wurde noch vor Anbruch der Corona-Krise 2020 veröffentlicht. Schlechtes Omen war das, welches daraus für ihre Konzerte resultierte, die wiederholt abgesagt und verschoben werden mussten. Doch am 15. Oktober 2020 ist der Albumrelease nun im Fluc vorgesehen.

Auch in der Popkultur scheint zu gelten: Hauptsache zurück zur konsumistisch-kapitalistischen Party- und Feier-»Normalität« nach dem gesellschaftlichen Ausnahmezustand in Corona-Quarantäne. Es stellt sich die Frage, ob die Subkultur anders ticken kann und nicht auch dem »Heiligen Wirtschaftswachstum« huldigt, sondern dem Gemeinnützigen, dem Sozialen, dem Diversen Platz einräumt.

Was also gibt es auf dem Tonträger des Wiener Duos Petra und der Wolf zu hören? Die seit zehn Jahren zusammenspielenden queeren Musiker*innen Petra Schrenzer und Aurora Hackl machen guten alten Punkrock- und Indie-Sound mit Grunge-Einschlag: Instrumental und laut, zu einem Großteil jedenfalls, stellte ich mit meinen elektronisch dominierten und sozialisierten Hörgewohnheiten fest. Das Duo besteht aus der Gitarre-spielenden Petra und Aurora am Schlagzeug mit ihrem eindeutig punkigen Background. Ansprechend und bezeichnend für die aktuelle Zeit der Instagram-Poser*innen ist der Titel »Surface!«. Ist die Bedeutung von Oberfläche alles?

Welch eindrucksvolle Stimme hat Petra! Eine queer-feministische Verortetheit von Petra und der Wolf ist aus ihrer Bandgeschichte bekannt. Bedeutet es immer auch einen selbstermächtigenden Platzeroberungsakt, wenn Frauen*/Queers in einer patriarchalen Domäne die Bühne beanspruchen und sich aneignen? Ein Genuss jedenfalls für die Hörer*innen und Seher*innen, nicht erneut die Macker oder aber auch wiederholt neuerdings die sensiblen Musikermänner sehen und hören zu müssen!

Ein Hingucker ist diesbezüglich bei Petra und der Wolf auch das Albumcover, auf dem Aurora androgyn bzw. im oben benannten Jungs-Look und -Outfit abgebildet ist! Das verlangt Betrachtenden jedenfalls ein zweimaliges Hinsehen ab, ohne dass eine geschlechtliche Zuteilung möglich scheint. Stattdessen nur Geschlechterfluidität. Yeah. Dieses Anliegen besitzen die beiden Musiker*innen jedenfalls. Große Empfehlung für einen Energieschub durch diesen Sound beim ewig scheinenden Zuhausesitzen!

Petra und der Wolf: »Surface!« (EP, Siluh Records)

Link: https://www.petraundderwolf.com/