Kein Schund: Schlund!

Österreich ist ein kleines Land. Dass sich hier bandüberschneidende Synergien ergeben, liegt eigentlich auf der Hand. Arbeitsmethoden, nach denen man über Monate zusammen im Proberaum verbringt, sind nicht immer praktikabel. Im Falle von Schlund hat sich beides auf die Bandhistorie ausgewirkt. Das von Fuckhead- und Wipout-Sänger Didi Bruckmayr (Wien, Linz) und von ex-Schlauch, seit 1998 Fetish 69-Schlagwerker Garfield (Graz) bereits 1996 konzipierte Projekt war anfangs als reine Studiosession geplant. Aber wer kann schon den Brettern widerstehen, die die Welt bedeuten. Seit Herbst 2000 ist Fuckhead-Gitarrist/ Bassist Michael Strohmann bei Live-Einsätzen ebenfalls vor Ort. Schlunds Erstling nennt sich dementsprechend »3 Head Sex Machine« (Dusk Rec.).

Dusk hat dazu durchgerungen, ihre Produktionsschiene in Richtung Electronica/ Industrial zu erweitern und bietet dafür den idealen Platz für Experimente dreier altgedienter Herren der radikaleren Unterhaltungs-Elektronik. Mit einem derartigen namedropping gestaltete sich im Gegensatz zur künstlerischen Darbietung die Produktion schließlich relativ leicht. Bruckmayr: »Wir hatten das Glück, vom SKE-Fond eine Subvention zu erhalten und Ixthuluh hat sich schon im Vorfeld bereit erklärt, den Vertrieb zu übernehmen.«
Weitaus schwieriger war es, Sounds und Stimmen miteinander zu harmonisieren. Nachdem die Tracks in Graz zusammengetüftelt waren, wurden die Vocals im Wiener Elektro-Akustischen Institut aufgenommen und dann synchronisiert. Zufrieden waren beide lange Zeit nicht. Aber Kompromisse sind dazu da, um gemacht zu werden. Im Gegensatz dazu ist die CD kompromisslos.

Garfield konstruiert mit selbstgebautem Schlagwerk-Instrumenten und Synthesizern ein Klang-Szenarium, das sich massiv in Rock-Gefilden austobt. Bruckmayr reagiert in Fuckhead-Manier mit dem Unterschied, hier weit weniger gequält rüber zu kommen. Für beide ist Schlund ein Potpourri, ein Hybrid aus den sonstigen Aktivitäten. Garfield outet sich als versierter Rhythmusbastler, der auf die konkreten Schlauch-Klänge verzichtet und stattdessen mal bei altem EBM, Grindcore und Depth-Charge-Rec. vorbeigeschaut hat.

Für den Frühling ist eine Kooperation mit dem MAK geplant, bei der Bruckmayr seine selbstgebauten Licht-Installationen und eigen-produzierten Videos verwenden will.
»Wir wollen multimedial werden, ein bisschen in den Installations-Kontext schnuppern. Wir sind mit Schlund so flexibel, dass 5-minütige Rock-Nummern genauso ins Programm passen wie Performances in einem derartigen Rahmen.«
Im Schlund ist’s finster, hart und nicht ganz angenehm.

Schlund: 3 Head Sex Machine
erschienen bei Dusk Records

Tipp: bei www.schlund.nu vorbeischaun.