Jeremy Rose & The Earshift Orchestra

»Disruption! The Voice of Drums«

Earshift Music

Als der Urmensch aus einem Stock die Flöte zu erfinden gedachte, schlug er nach unzähligen vergeblichen Versuchen, einen Ton herauszupressen, mit ihm auf einen Stein. Dabei entstand die Trommel. Diesem Instrument widmet Jeremy Rose, Komponist, Holzbläser und Leiter des australischen Labels Earshift, nun eine Veröffentlichung, die eben diesen Trommeln – und auch den Bläsern – gewidmet ist. In seinem achtköpfigen Orchester protzt er mit den beiden Schlagzeug-Spezialist*innen Simon Barker (spielte bereits mit Henry Kaiser, Bill Laswell und Rudresh Mahanthappa), der sich mit asiatischer und südpazifischer Musik beschäftigt, sowie der aus Südkorea stammenden Chloe Kim, die in Sydney u. a. traditionelle koreanische Perkussion studierte, die nun auf »Disruption! The Voice of Drums« gemeinsam solieren. Die sanften, dahinfließenden Melodien der äußerst warmen Klarinette und der gefühlvollen Trompete geben den brachialen Schlagzeug-Kaskaden einen gewissen Rahmen. Die Brachialität wirkt aber nie erschütternd, sondern harmoniert, lässt gemeinsam mit den Beiträgen von Bass, Gitarre und Keys eher eine Ambient-Stimmung entstehen. Man befruchtet sich gegenseitig, Rhythmusinstrumente bleiben jedoch vorsichtig im Vordergrund, die zum Teil wuchtig tönenden Drums haben genügend Groove, Drive und auch Melodie, um durchgehend zu fesseln, die traditionell koreanischen Parts wirken absolut frisch und modern. Eine gewisse Eklektik entsteht mit Unterbrechungen jazzig-funkiger, vom Saxophon getragener Stücke, die einen Konterpart zum hypnotisierenden Rest darstellen. Man soll nicht wegdriften, sondern genau zuhören.