Rotzpipn

»... is a wos wert«

Harlots Music

Eine der Bands des Protest-Songcontests hört auf den lässigen Namen Rotzpipn (& das Simmeringer Faustwatschenorchester) und damit ist schon geklärt wo’s langgeht: Fetter Beidlrock mit klar unterhalb der Gürtellinie schürfenden Texten. Dieses Debüt ist eine wilde Mischung aus zorniger Politsatire, punkigen Heurigengstanzln und schräger Liebeserklärung an den 11. Wiener Gemeindebezirk. In der hingebungsvollen Huldigung an Simmering »XI« leiht sich die Rotzpipn mit wunderbar versoffener »Röhre« ungeniert gleich die gesamte Komposition von Element of Crimes (EOC) »Delmenhorst«, immerhin wird mit der ersten Textzeile »I bin jetzt imma do wo du ned bist« (Anm.: Abwandlung des Titels eines EOC-Albums) ein kleiner Verweis gegeben. Die vordergründig aus den Herren Fetz N. Schädl und Z. Umpferl (die sich, so die Mär, hinter Gittern kennen gelernt haben und von ihrem Bewährungshelfer gemanaged werden) bestehende Trink- und Spielgemeinschaft stellt eine Art Simmeringer Milieuvarieté auf die Bühne, bei dem schnell klar ist, dass das pubertäre Geblödel nicht vom Dödel kommt. Die ruhigeren Stücke mit den trübsinnigeren Säufertexten stehen den Alkbottlehaften Prolozoten-Stumpfrockern gegenüber. Die Idee einer Kunstprolo-Kapelle ist jetzt nicht gerade neu, aber in diesem Fall überzeugend mit dem passenden Häuslschmäh umgesetzt. Ein schmutziges Grinsen kann einem das immer wieder entlocken, ein schönes Beispiel für gelungenen Analhumor ist der Gassenhauer »owa immerhin«, der eng mit dem CD-Titel kurzgeschlossen ist. In »Eine kleine Klomusik« (nicht vor dem Essen hören!) schimmert über mehrere Takte gar die Vokaldiktion des fantastischen Kollegium Kalksburg (vermutlich auch beabsichtigt bei diesen listigen Kerlen) durch. Vielleicht etwas anderes frisches Blut für das nächste Wienerlied-Festival?