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Imago Dei – Im Zeichen der Venus

Sanfte Hügel, fruchtbarer Boden, die Nähe zur Donau – die Wachau ist dank der geografischen und klimatischen Gegebenheiten eine Region, in der es sich gut leben lässt. Dass sich schon seit Urzeiten die Menschen von diesem Landstrich angezogen fühlten, belegen zahlreiche archäologische Funde. Der wohl berühmteste darunter ist die »Venus von Willendorf«, eine kleine, üppige Frauengestalt, ohne Gesicht aber mit Locken und Armreif. Das Alter dieser Figur aus Kalkstein wird auf etwa 27.000 Jahre geschätzt. Einen ganz anderen Frauentypus verkörpert ein weiterer Fund aus der Kremser Gegend: »Fanny vom Galgenberg«. Mit ihren knapp sieben Zentimetern, einer schlanken, grazilen Gestalt und einem Alter von etwa 34.000 Jahren gilt sie als älteste Frauenplastik der Welt, benannt nach der österreichischen Tänzerin Fanny Elßler.
Frauengestalten als Göttinnen wie Venus, als Fruchtbarkeitssymbol und rituelle Tänzerinnen – diesen Themen ist das diesjährige Osterfestival »Imago Dei» in Krems gewidmet. Denn gerade das Osterfest, dessen Datum sich nach dem Mond und dem Frühlingsanfang richtet, das heute immer noch mit heidnischen Ritualen begangen wird, das im christlichen Glauben an Tod und Auferstehung Jesu Christi erinnert, ist dafür geeignet, sich mit dem mythischen und dem realen Frauenbild mittels verschiedener Programmpunkte auseinander zu setzen: Unter dem Motto »Venustransit« reisen die Festivalgäste am Palmsonntag (9.4.) mit einem Schiff der Austria Brandner auf der Donau, der Idee einer Osterprozession folgend. Die insgesamt drei Stationen in Weißenkirchen und Stein werden mit ganz unterschiedlichen Konzerten und Performances bespielt: Eröffnet wird mit dem Celloquartett »Quaternion« der Komponistin Sofia Gubaidulina, die 1931 in der Tatarischen Republik geboren wurde. Darauf folgen Klagelieder aus dem Balkan, gesungen von Natascha Mirkovic, begleitet von Matthias Loibner auf der Drehleier. Der »Venusritus« des jungen Linzer Künstlerkollektivs »Feuchte Mutter Erde« beendet die Reise. Wir sind nach Stein zurückgekehrt, wo die »Actores Alidos«, eine Gruppe sardischer Sängerinnen mit Liebes- und Schlafliedern, spirituellen und klagenden Gesängen, mit ihrer betörenden polyphonen Musik den Raum der Minoritenkirche erfüllen. Danach werden ganz unterschiedliche Wahrnehmungen der Welt aus zwei völlig gegensätzlichen Erdengegenden aufeinanderprallen: Die baskischen Zwillingsschwestern Maika und Sara Gómez (Ttukunak) beleben mit ihrem meisterlichen Spiel der Txalaparta (einem Schlaginstrument, das ursprünglich der Nachrichtenübermittlung diente) uralte baskische Traditionen wieder. Sylvia Cloutier und Akinisie Sivuarapik, zwei Inuit-Sängerinnen aus Iqualuit (Nunavut) werden mit ihren Katajjait (Kehlkopfgesängen) ein archaisches Spiel mit Tönen und Rhythmen vorführen.
Der beinahe vergessenen österreichischen Autorin Hertha Kräftner (geboren 1928), die im Alter von 23 Jahren den Freitod wählte, widmet Renald Deppe sein Karwochenlaudanum »Der Tod wird nach Pfeffer und Majoran riechen…« am Gründonnerstag (13.4.) mit drei jungen Sängerinnen und Miryam Jessa (Rezitation). Im zweiten Teil des Abends gehen die türkische Sängerin Saadet Türköz und der österreichische Autor und Performer Bodo Hell eine ungewöhnliche Kombination von Musik und Text ein (»…weder Kümmel noch Blume…«). Zum Abschluss stellt am Ostermontag (17.4.) stellt das italienische Ensemble Micrologus Cantigas de Santa Maria aus dem 13. Jahrhundert vor.

>> www.klangraum.at

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Text
Jürgen Plank

Veröffentlichung
03.04.2006

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