Bbymutha © Hyperreality

Hyperreality 2019 – Epizentrum Sophienalpe

Das avancierte Wiener Clubkultur-Fest findet heuer an zwei Wochenenden im Mai (17./18. und 24./25.) und nicht mehr im Rahmen der Wiener Festwochen statt. Wiewohl es abermals mit unzähligen ultrakrassen Club-Acts aufwartet.

Nachdem Tomas Zierhofer-Kin, Wiener-Festwochen-Intendant 2017–2018, bekanntlich abdanken musste, setzt sein Nachfolger Christophe Slagmuylder auch das vom Vorgänger initiierte und international hochgeschätzte Hyperreality Festival nicht mehr im Rahmen der Wiener Festwochen fort. Schnurrpfeiferei. Das Wiener Festival für avantgardistisch ausgerichtete Clubkultur gibt sich nun verstärkt independent, wandert auf die entlegene Sophienalpe (Shuttlebus von Hütteldorf und retour) und setzt, im dritten Jahr weiterhin unter der Leitung von Bürgerkuratorin Marlene Engel, dort seine beispielgebende Mission fort.

Hauptattraktion des viertägigen, an zwei Wochenenden stattfindenden Festivals (17./18. und 24./25.) ist die gleich am Eröffnungstag spinnende Nina Kraviz, die im Vorjahr vom Hyperreality derart hingerissen war, dass man sie nicht nur bis frühmorgens sichten konnte, sondern, ebenso erfreulich, sie heuer ihre Präsenz prolongiert. Magnifik! Doch hat das Fest abundant Fulminantes zu bieten: Von 60 Künstler*innen sind 70 % Frauen, non-binary, inter oder trans. Coolerweise wird lokalen Künstler*innen mit zusätzlichen Ressourcen heuer vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt; zudem lässt man sie mit internationalen Acts gemeinsam Programme erarbeiten. Showcases gibt es von Amen, PAN und Discwoman. Weiters finden Ableton-Live-Workshops – mit Susanne Kirchmayr (aka Electric Indigo), Tanja Fuchs (aka Abu Gabi) und Lyra Pramuk – statt. (Alle drei bereits ausgebucht!)

Unsere Auswahl: die straight aus der Bronx kommende Transgender-Rapperin sowie selbsternannte »Queen Bitch of New York«, Quay Dash (Debüt-EP »Transphobic«, 2016), die als »The future of rap« gehandelt wird. »Youʼre a blast from the past, you a wrong tuck / Whatʼs a goon to a queen? You a bore slut«. Deftig, deftig, heftig, heftig, ganz freches Kino! Die für ihren japanischen Avant-Pop beliebte und bekannte Tujiko Noriko wird gelegentlich als »japanische Björk« gefeiert (»From Tokyo to Naiagara«, 2003; brand-aktuelle Filmmusik: »Kuro«). Die Pariserin Stellar OM Source feiert am Fest sogar ihren Geburtstag (ja, sie hat ihn wirklich!). Killbourne ist sowieso eine ganz bös Ratternde und schlichtweg fantastisch (siehe Video)! 700 Bliss nennt sich das Noise-Projekt von Moor Mother (»You late, bitch / It’s the end of the world, you bait bitch«). Da läuten die Alarmglocken! Der aus Malaysia stammende Tzusing entwickelte seinen Mix aus Techno und Industrial Electronics während seiner Studienjahre in Singapur und Chicago. Nun gibt er sich bereits sehr ausgefoxt. Keinesfalls weniger raffiniert ist Rapper Jigga und die fantastische Bbymutha liefert das Credo des Festes: »I ain’t rich and I might never be / but baby I rather be broke than be a wanna-be«.

Yep, we have only favorites:

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