Astrïd

»High Blues«

Ropeadope/Ryko/Lotus | Rune Grammofon/Lotus

»High Blues« ist im Grunde ein irreführender Titel, au&szliger man versteht das Hohe an diesem Blues als leicht abgehobenen, hochkulturellen Zugang zum Blues. Aber auch das trifft es nicht ganz, denn dafür ist das Klangresultat zu hübsch und gefällig geraten. »High Blues« ist im Grunde Instrumentalfolk in Slow Motion, angereichert mit jazzigen Einsprengseln, für die vor allem Guillaume Wickel an der Klarinette verantwortlich zeichnet. Streckenweise besteigt dieser Folk auch meditative Hochebenen. Arvo Pärt wird als Bezugspunkt genannt, ebenso Brian Eno oder Philip Glass. Treffender allerdings wären Mark Hollis bzw. das Spätwerk von Talk Talk, dieser wunderbare Sphärenpop, der zu den grö&szligten Missverständnissen der 1980er zählt. Bemerkenswert auch, dass »High Blues« auf dem norwegischen Label Rune Grammofon erschienen ist, aber die Band eigentlich aus Frankreich stammt. Als gäbe es nicht genügend hervorragende norwegische Acts, versichert uns die Pressemitteilung augenzwinkernd. Dem ist auch so, aber die Musik der vier Franzosen passt tatsächlich nahtlos ins Labelprogramm, das sich zwischen Northern Folk, Northern Jazz und Experimental alle erdenklichen Freiheiten nimmt. Auf »High Blues« eben die Freiheit zum meditativen Folkpop, eine Spur zu nett für Freunde des Experimentellen, eine Spur zu unaufgeregt für Popfreunde, aber insgesamt wohl eben deswegen eine Entdeckungsreise wert.