Rohen, melodischen Black Metal spielen ungezählt viele Bands. Aber keine kann das so unnachahmlich berauschend wie Fluisteraars, behaupte ich, auch wenn ich natürlich bei Weitem nicht den Überblick habe, in welchen feuchten Kellern und anderen gottverlassenen Winkeln sich sonst noch Finsterlinge mit Instrumenten verbergen, die vielleicht Ähnliches zustande bringen. Wie dem auch sei, ohne zu zögern folge ich Fluisteraars in »Grondeloos donkere Bossen«, abgrundtief dunkle Wälder, und verliere mich sofort darin bzw. im Sound der niederländischen Band. Wie gelingt ihnen das? Denn sie machen ja nicht viel – das aber konsequent. Der Schlagzeuger drischt ausdauernd auf seine Felle ein, Gitarrist und Bassist spielen sich in der Wiederholung sich stetig steigernder Riffs die Finger blutig und der Sänger kreischt heiser darüber. Drei Songs, eine knappe Dreiviertelstunde lang, fertig. In aller repetitiven Raserei verlieren sie jedoch nicht den Überblick, haben ein feines Gespür für eingängige, aber nicht abgegriffene Melodien und verfügen über die Fähigkeit, im richtigen Moment das Tempo und den Rhythmus zu variieren. Auf diese Weise toben Fluisteraars souverän durch ihr Repertoire und reißen einen mit. So einfach ist das. Könnte man meinen. Aber, wie erwähnt, dieser wohlüberlegt grobe Minimalismus sucht seinesgleichen. Schon der Blick aufs Cover kann eine Ahnung davon geben. Der von Sternen umgebene, vermummte Reiter erscheint in seiner Schlichtheit wie eine kindliche Bastelarbeit für den Adventkalender und gleichzeitig wirkt die in Schwarz-Weiß kontrastreich präsentierte Figur unheimlich – geheimnisvoll, wie der Titel des Albums andeutet. Passender könnte die Verpackung für die Musik nicht sein. (Bereits mit dem Foto auf »Bloem«, dem Album von 2020, und dem darauf inszenierten liegenden Blick über die Grasnarbe hinweg bzw. aus dem Grab heraus haben Fluisteraars gezeigt, wie man im schnell auch gähnend langweiligen Genre des atmosphärisch-melodischen Black Metal visuelle Akzente setzen und diesen ungewöhnlichen Perspektiven auch musikalisch entsprechen kann.) Die Niederländer wissen sich zu unterscheiden und es lohnt sich, hinzugucken und hinzuhören, wenn sie auf sich aufmerksam machen.
Fluisteraars
»Jacht der Mysteriën«
Eisenwald
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