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Es gibt, wenn man den Wiener Zentralfriedhof entlang fährt, irgendwo nach dem dritten Tor ein kleines viertes Tor, durch das hindurch man zu einem speziellen Friedhof für sich wiederholende Ideen und Projekte in der Musikgeschichte kommt. Dort lagern CDs, deren Erschaffer beteuern, dass ihre Stücke sich dennoch durch Einzigartigkeit auszeichnen. Dass die Kreativität nicht in der Idee, sondern in der Performance liege. Dass es darüberhinaus die individuellen Qualitäten seien, die wirklich zählten. Aber der Friedhofswärter ist ein mürrischer alter Mann, in seinem früheren Berufsleben war er Rezensent. Er ist unerbittlich und allenfalls geneigt, manchen CDs diverse Pluspunkte zuzubilligen. Etwa fröhliche Attribute wie »gro&szligartige Musiker« (wir sprechen in diesem Fall von Nicolas Bernier, Martin Siewert, Alexandr Vatagin, Stefan Németh, Alexander Schubert, Bernhard Breuer und David Schweighart, ein tolles Line-Up, zweifellos), launige Zuschreibungen wie »mustergültige sphärische Klangreise« oder situative Einzelbeobachtungen wie »gro&szligartiges Finale«. Doch diese Pluspunkte reichen maximal zu einem Strau&szlig Margeriten, die der Friedhofswärter auf das CD-Grab legt. Zum Glück treiben sich immer viele Besucher auf dem Friedhof herum, oft lieben die genau solche Qualitäten. In diesem Fall: Der zweihundertsiebenunddrei&szligigste elektroakustische Sphärentrip, 34 Minuten lang, formvollendet umgesetzt, gro&szligartig abgeschlossen.

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Text
Curt Cuisine

Veröffentlichung
25.01.2013

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