Festivaltagebuch 16.10 / Tag 1

Filmkritiken: „Frau fährt, Mann schläft“, „Jarmark Europa“.
Shortcuts: Folgende Filme werden als Kurztipps präsentiert: „Festival Express“, „Feux rouges“, „Bright Leaves“, „Dame la mano“
Veranstaltungen: Buchpräsentation, Publikumsgespräch.

„Frau fährt, Mann schläft“
So der Titel des neuen Films von Rudolf Thome. Wieder spielt Hannelore Elsner die Hauptrolle, wie auch schon in „Rot Blau“, der bei der Viennale 2003 zu sehen war. Sein neuestes Werk ist ein ruhiger stimmiger Film über fragile Familienkonstellationen. Die Familie wird zu Beginn in einer Talkshow als glückliche ein- und vorgeführt. Die Eltern stehen zwischen ihrer Karriere, den Kindern und den Affairen. Der älteste Sohn kämpft um seine junge Liebe.
Ein Unglück passiert. Das Gleichgewicht wird gestört die Familie droht zu zerbrechen.  Ein Ereignis setzt weitere in Bewegung. Ein Neubeginn. Am Ende fährt die Frau im Auto, während ihr Mann schläft. Ein Film der sich durch zurückhaltende Inszenierung und durch ein schönes glaubhaftes Spiel der Elsner auszeichnet.

„Frau fährt, Mann schläft“, heute um 20:00 im Gartenbaukino und morgen, am 17.10. um 13:00 im Metro


„Jarmark Europa“
Eine Reise, die die Filmemacherin Minze Tummescheit nach Osteuropa führt, nach Russland und Polen. Sie besucht Menschen, die nicht von ihren Gehältern oder staatlichen Renten leben können. Menschen, die Marktwirtschaft wörtlich nehmen, auf den Markt gehen und handeln. Und das nimmt mitunter skurille Züge an.
Man trifft auf eine Frau, die in Polen einen Container betreibt, der als eine Art Bibliothek und Videothek fungiert. Sie verleiht Bücher gegen in kleines Entgelt, an Russen, die in Polen arbeiten. Die Filmemacherin besucht Warschaus größten Bazar im ehemaligen Olympiastadion. Wir treffen eine ehemalige Chefärztin, die jetzt Haushaltswaren auf dem Bazar verkauft, um über die Runden zu kommen.
Immer wieder stellt sie im Laufe des Films persönliche Bezüge zwischen dem Gezeigten und ihrem eigenen Leben her. Die Filmemacherin stellt Dichotomien her, deckt scheinbare Widersprüche auf. Wenn die Menschen in die Kamera blicken wird ihr bewusst, dass das die Wirklichkeit ist. Im Kino hingegen dient der Blick in die Kamera dazu auf die Künstlichkeit des Films hinzuweisen. Die Bilder die sie gefilmt hat, sind abgelegt und somit vergessen. Ihre wahren Erinnerungen sind nicht aufgenommen und somit für uns nicht sichtbar. Sie stellt wundersame Vergleiche auf wie „Das Zugfahren ist wie Kino. Man fährt vorbei, sieht alles und muss nicht aussteigen und selbst den kalten Wind spüren“.
An sich eine gut gelungene Dokumentation. Manchmal scheint die Filmemacherin jedoch zuviel unterbringen zu wollen, wodurch der Film mitunter ein wenig unstrukturiert und wirr erscheint. Die Überlänge, die sich gegen Ende bemerkbar macht, scheint die Filmemacherin selbst kommentieren zu wollen, wenn sie gegen Ende sagt „Jedes Mal wenn ich in Warschau bin denke ich, dass ich nie aufhören kann mit diesem Film“.

„Jarmark Europa“, heute um 20:30 im Stadtkino und morgen, am 17. 10. um 10:30 im Stadtkino.


Shortcuts:

„Festival Express“ führt auf einer Konzerttour amerikanische Bands im Sommer 1970 durch Kanada. Fünf Tage lang dokumentiert dieser Film Jamsessions, Drogenexzesse und das Leben von Musiklegenden wie Janis Joplin, The Grateful Dead, The Band usw.

Heute um 23:00 im Gartenbaukino, sowie am 21.10. um 13:30 in der Urania.


„Feux rouges“ ist die Verfilmung eines Buchs von Simeon. Spannung, überraschende Wendungen durchziehen dieses kriminalistische Beziehungsdrama  ganz im Stile von Hitchcock und Konsorten.

Heute um 18:00 im Gartenbaukino, sowie am 20. 10. um 21:00 in der Urania.


„Bright Leaves“  ist eine amerikanische Dokumentation, die sich auf ungewöhnliche Weise mit dem Anbau von Tabakpflanzen auseinandersetzt und diese mit autobiographischen Ereignissen und  Hollywoodmelodramen zusammenführt.

Heute um 23:30 im Metro, sowie am 19. 10. um 13:30 in der Urania.


Die Dokumentation „Dame la mano“ von der niederländischen Filmemacherin Hedy Honigmann besucht Exilkubaner in Amerika bei ihrer Pflege des eigenen Kulturguts. Eine Zelebration des „Rumba“.
Der Tanz und die Musik begleiten die Protagonisten dieser Dokumentation durch alle Lebensbereiche.

Heute um 23:30 in der Urania, sowie am 18. 10. im Gartenbaukino.


Veranstaltungen:
Im Rahmen der von ihr kuratierten Reihe präsentiert Elisabeth Büttner ihr Buch „Paul Fejos“. Weiters wird Fejos Film „Lonesome“ zu sehen sein.

Heute bei freiem Eintritt um 21:00 im Metro.

Unter dem Titel „Fights and Films on Globalization“ findet heute um 19:00 in der Zentrale ein Publikumsgespräch statt. Mit dabei sein werden unter anderem Beth Bird („Everyone their Grain of Sand“) und Balazs Meszaros („Inhertiance: A Fisherman`s Story“). Moderieren wird Michael Kerbler von Ö1.