Extra Large Unit

»More Fun, Please«

PNL Records

Für das norwegische Only Music Festival im Mai 2017 wurde Paal Nilssen-Love dazu beauftragt, ein Stück zu schreiben, und er stockte sein Large Unit Team auf insgesamt 28 MusikerInnen auf, inkludierend unter anderem drei Akkordeons und drei Pianos. Die Mitglieder des Extra Large Unit Ensembles, zum Teil StudentInnen der norwegischen Musikakademie, kamen aus dem Bereich der Klassik und des Jazz. Nilssen-Love spielte ihnen im Voraus während der Proben Stücke von Schlippenbach, Brötzmann und Morton Feldman vor. Während dieser Proben ließ er sich jedoch auch die in seinen Worten »extremsten« Sounds ihrer Instrumente zeigen, um sich für die weitere Komposition des Werks inspirieren zu lassen. Für die Aufnahme des Live-Konzerts wurde die ganze Band wiederum in mehre kleine Gruppierungen eingeteilt. Diese waren, einzeln dirigiert, auch wieder um eine Person versammelt, die für ein Solo zuständig war, auf das sich der Rest der Gruppe beziehen sollte. Nilssen-Loves Idee war, die MusikerInnen technisch an ihre Grenzen zu bringen sowie vor allem eine völlig neue, unbekannte Situation zu schaffen, in der jedeR einzelne sich neu zurechtfinden muss und die Freiheit der Improvisation nutzen kann. Die Notierung war entsprechend ergebnisoffen. Auf der anderen Seite hat, und das ist die Konsequenz dieses dreißigminütigen Big-Band-Wahnsinns, der/die Zuhörende auch die Freiheit, sich beim Lauschen auf einzelne Elemente zu beschränken, beziehungsweise die Aufmerksamkeit zu fokussieren. Bei der relativ kurzen Spielzeit von »More Fun, Please« kann man beim Wiederhören komfortabel verschiedene Linien verfolgen. Intermezzi, z. B. die schönen Akkordeons zwischen den Komplettausfällen (positiv!) der gesamten Truppe, ein groovendes Schlagzeug hier und da, ein cooler Bass, ein choreographiertes Auf und Ab schaffen den nötigen Rahmen, in dem sich alles abspielt. Die Klänge bewegen sich zwischen »klassischer« Experimental Big Band wie das Brötzmann’sche »Machine Gun«, moderner Klassik à la Feldman und Filmsoundtrack. Wirklich was Feines, gepresst wie (bestimmt auch) live.