Kate Tempest

»Everybody Down«

Big Dada/Rough Trade

Fast müsste diese Review mit einer Spoiler-Warnung beginnen. Denn »Everybody Down«, das Debüt-Album der Londoner Rapperin Kate Tempest, erzählt eine romanreife Geschichte – die Geschichte von Becky, Harry und Pete, drei jener gut ausgebildeten, aber zukunftslosen Londoner Mittzwanziger, die sich nur mühsam mit Gelegenheitsjobs, Arbeitslosenhilfe und Drogengeschäften über Wasser halten, komplett mit Beziehungswirren, familiären Problemen und großem Finale. Ja, so ein bisschen erinnert das an Mike Skinners Storytelling-Meilenstein »A Grand Don’t Come For Free«. Aber wo Skinner bei den persönlichen Unzulänglichkeiten seines Alter-Egos und dessen sozialem Umfeld stehenblieb, schält sich bei Tempest eine unterschwellige Kritik am sozial kalten, neoliberalen Großbritannien heraus. Etwa, wenn Pete trotz abgeschlossenem Studium nur eine Stelle an der Kasse von Primark bekommt, wenn Becky hintereinander die Tag- und Nachtschicht macht, um ihr Studium zu finanzieren, oder wenn die beiden Probleme haben, im absurd teuren London ihre Miete zu zahlen. Es sind düstere Geschichten, die Produzent Dan Carey (u. a. Lily Allen, Hot Chip, The Kills) in entsprechend düstere Töne getaucht hat. Unerbittlich harte Synthie-Flächen schieben sich wie Zahnräder einer Maschine ineinander, hektische elektronische Beats lassen kaum Zeit zum Luftholen. Irgendwie muss man dann doch erwähnen, dass Kate Tempest sonst gefeierte Theaterstücke für die Royal Shakespeare Company schreibt. Dass sie aber genauso in besetzten Häusern und auf Battle-Rap-Bühnen zuhause ist. Und dass sie ein zu gleichen Teilen zugängliches und schlaues Album gemacht hat, eines, das zudem endlich einmal wieder zwingend zurzeit passt. Und vielleicht ist es auch kein zu großer Spoiler, wenn man verrät, dass der letzte Song »Happy End« heißt.