Pop Smoke © Instagram/realpopsmoke

Diamonds upon diamonds

Über den Tod des US-Rappers Pop Smoke.

Am Morgen des 19. Februar 2020 verstarb der 20-jährige Rap-Artist Pop Smoke an den Folgen eines bewaffneten Einbruchs in seinem Haus in Hollywood. Die kurze musikalische Karriere von Bashar Jackson dauerte kaum länger als ein Jahr, bevor sein Album »Meet the Woo II« vor zwei Wochen auf Platz 7 des US-Billboard-Charts einstieg. 1999 in Brooklyn als Sohn einer jamaikanisch-panamesischen Familie geboren, hatte er eine vielversprechende Baseball-Karriere vor sich, bevor ihm ein Herzgeräusch diagnostiziert wurde. In einem Interview mit der »New York Times« erzählt er von einem weiteren einschneidenden Erlebnis – einem Slap-Happy-Video, in dem er mit 13 Jahren in Social-Media-Kanälen zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Pop Smoke weigerte sich allerdings, die Opferrolle anzunehmen, und beschloss, dass man eben alles dafür tun müsse, wenn man es gut haben wolle, denn »life ain’t sweet.«

In einem faszinierenden wie verstörenden Interview mit der britischen BBC-Radio-One-Legende Tim Westwood erzählt Pop Smoke über seine Anfänge als Musiker. Wie er durch Zufall über die Beats von 808MeloBeats gestolpert sei und ihn dieser nach seinem veritablen Sommerhit »Welcome to the Party« angeschrieben habe, dass er für den geklauten Track bezahlen müsse. »You know what?«, so Pop Smoke lapidar und durchaus charmant, »I just flew him out to New York«. Dieser Satz verrät viel über die Perspektive, aus der Pop Smoke seine Musik betrachtete. Es ging ihm darum, rauszukommen – raus aus Ilford, einem der unendlich tristen Vororte Londons, und raus aus Carnsie, einem Viertel Brooklyns, das besonders stark von der Immobilienkrise ab 2008 betroffen war. Von Carnsie nach Hollywood: »Movie!« Und zurück quer durch Amerika im für ein Video-Shooting angemieteten Rolls-Royce, den er dann einfach vor dem Elternhaus parkt, statt ihn ordnungsgemäß in L.A. abzuliefern.

808MeloBeats produzierte in der Folge alle Stücke für Pop Smokes erstes Mixtape und steuerte auch für »Meet the Woo II« acht der dreizehn Tracks bei. Gemeinsam brachten sie Drill wieder zurück nach Amerika. Die ursprüngliche Szene in Chicago, die sich 2012 rund um Chief Keef gebildet hatte, hatte sich zwar rasch wieder aufgelöst; jedoch war der düstere, von Dirty-South beeinflusste Sound in Großbritannien auf fruchtbaren Boden gefallen und begann dort bald Grime zu überflügeln. Der bedrohliche, gleichzeitig aber betont unangestrengte Stil von Pop Smoke wirkte dabei als Katalysator, der neue Terrains eröffnete. Atemberaubend war aber vor allem die Geschwindigkeit, die das Phänomen Pop Smoke aufnahm: Seiner Zusammenarbeit mit Lil Tjay (»I like the way he move«) folgten bald Nicki Minaj, Skepta und schließlich Travis Scott. Der Glanz des schnellen Erfolgs, aber auch die Wucht der Instrumentals verdeckten dabei so manche Schwäche – von den eher einfach gestrickten Texten bis hin zu den von Sexismus durchsetzten Videos.

Am 19. Februar fand das filmreife Leben von Pop Smoke ein jähes Ende. Offenbar hatte er versehentlich seine neue Adresse in Hollywood gepostet und damit seinen Mördern die Gelegenheit gegeben, alte oder neue Rechnungen zu begleichen. »You cannot say pop and forget the smoke.«