Maia Urstad © Sharon Bailey

Deep listening @ phonofemme: Pauline-Oliveros-Tribute

Eine E-Mail-Konversation mit Mia Zabelka über phonofemme 2017, das International Festival for Women in Sound Art and Experimental Music in Wien, das am 21. und 22. Oktober eine glückselig machende »Hommage an Pauline Oliveros« ins MQ, Café Korb und Kunstradio bringt.

Im Zentrum von phonofemme 2017 steht Pauline Oliveros. In einer sehr persönlichen Widmung hat Mia Zabelka Oliveros bereits auf skug.at gewürdigt – siehe hier – und jetzt ist es an der Zeit, Genaueres über das Programm dieses von Mia Zabelka kuratierten Avantgardemusikfestivals zu erfahren.

skug: Für mich ist der Natur zuhören etwas sehr Entschleunigendes, Entspannendes, was ich beispielsweise im polnischen BiaÅ‚owieża-Urwald, der vor kurzem infolge der Gier der PiS-Regierung von Rodungen betroffen war, besonders intensiv erlebt habe. Deswegen gefällt mir der von phonofemme adoptierte Slogan »Can you hear a forest listening?« sehr. Liege ich richtig mit der Ûbersetzung: »Kannst du den Wald beim Zuhören hören?« Oder ist das ganz anders gemeint?

Mia Zabelka: Nein, das ist genauso gemeint. Die wunderbare Stille im Wald verleitet dazu, stillzuhalten und einfach mal zuzuhören. Man gewinnt den Eindruck, dass der Wald Ohren hat und lauscht. Es ist ein sehr schönes, poetisches Bild. Im Grunde auch dafür, dass wir der Natur im Allgemeinen zu wenig »zuhören«, also Bedeutung bzw. Respekt beimessen. Wir benutzen sie und beuten sie aus, eine Vorgangsweise, die verheerende Folgen haben wird, sollte sich das nicht sehr bald ändern. Es gibt ja auch dieses Sprichwort »Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus«.

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Andrea Sodomka © Florian Tanzer

Das »Gut-zuhören-Können« war für Pauline Oliveros’ Schaffen sehr wesentlich, was zur Gründung des Center for Deep Listening (CDL) führte. Naheliegend ist, dass das CDL das Oliveros-Tribute fördert. Geht es da nur um einen finanziellen Beitrag oder mehr?

Nein, es geht um keine finanzielle Beteiligung, aber um einen sehr guten Austausch und die internationale Verbreitung unserer Festivalidee. Audio-, Foto- und Videodokumentationen des Festivals werden seitens des CDL archiviert, und somit entsteht eine gewisse Nachhaltigkeit.

Die diesjährige phonofemme-Ausgabe eröffnet mit Pauline Oliveros’ »Sonic Meditations« in der TONSPUR_passage im Museumsquartier. Sind dort auch Live-Interventionen geplant?

Ja, es handelt sich um keine Klanginstallation, sondern um eine Komposition für Ensemble, die von Musikexperten als eines der wesentlichsten Werke des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird. Das Ensemble wird aus Mitwirkenden des phonofemme-Festivals bestehen.

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DJ Spooky © phonofemme

Nach welchen Kriterien hast du die KünstlerInnen ausgesucht? Ging es da immer um einen Pauline-Oliveros-Bezug oder mehr? Kannst du das anhand von Andrea Sodomka und DJ Spooky darlegen?

Ein wesentliches Kriterium war, dass die KünstlerInnen einen inhaltlichen Bezug zu Pauline Oliveros haben. Sei es, dass sie ihre SchülerInnen waren, an einem Deep-Listening-Workshop teilnahmen oder mit ihr befreundet waren. Von DJ Spooky ist bekannt, dass er neben der Freundschaft mit Pauline auch ein großer Verehrer ihrer Kunst war. Andrea Sodomka zählt für mich zu den PionierInnen der elektronischen Musik in Österreich. Da gibt es einen inhaltlichen Bezug zu Oliveros, die auch als Pionierin der elektronischen Musik in den USA gilt.

Maia Urstad, Kristine Tjøgersen und die vier Musikerinnen des Tøyen Fil og Klafferi Quartet kommen alle aus Norwegen. In Österreich sind diese weitgehend unbekannt, wie hast du diese KünstlerInnen entdeckt und was sind ihre Vorzüge?

Da in Kooperation mit dem ORF Ö1 Kunstradio auch eine Radiohommage an Pauline Oliveros stattfinden wird, war es naheliegend, auch KünstlerInnen einzuladen, die mit dem Medium Radio arbeiten. Maia Urstad ist eine über die norwegischen Grenzen hinweg sehr bekannte Radiokünstlerin. Elisabeth Zimmermann vom Ö1 Kunstradio wollte sie schon lange mit einem Werk beauftragen, jetzt fand sich die passende Gelegenheit. Kristine Tjogersen und ihr Ensemble habe ich bei einer Aufführung der »Sonic Meditations« im Rahmen des All Ears Festival im Januar 2017 in Oslo kennengelernt. Wir waren gemeinsam als MusikerInnen an dem Konzert beteiligt.

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Tøyen Fil og Klafferi Quartet © Anna-Julia Granberg/BLUNDERBUSS

Bitte wenn möglich auch die Intention der weiteren Sound Artists in einer Art treffender Zuschreibung schildern. Von Covered by Forest über Maria Chavez bis Doug Van Nort und IONE, der Lebensgefährtin von Pauline Oliveros. Welche Soloauftritte bzw. Ensemblemischungen wird es geben?

Maria Chavez war eine der wichtigsten SchülerInnen von Pauline Oliveros. Pauline hat sie auch zu der ersten Ausgabe von phonofemme mitgebracht. Doug van Nort war auch ihr Schüler und hat in den letzten Jahren Programmierungen für Pauline durchgeführt, Interfaces entwickelt etc. Beide sind an der Radiohommage beteiligt. IONE steuert eine Videomessage zum Festival bei.

Im Rahmen der »Sonic Meditations« im Museumsquartier/TONSPUR_passage (Samstag, 21. Oktober, 22:00-22:00 Uhr) werden unter der Leitung von Ingrid Plum Kristine Tjøgersen und das Tøyen Fil og Klafferi Quartet, Meriheini Luoto und das Trio Covered by Forest, Zahra Mani, Herbert Lacina und ich auftreten.

Im Rahmen des Konzerts im Café Korb/ARTLounge (Sonntag, 22. Oktober, 17:00-21:00 Uhr) werden IONE mit einer Videomessage, Andrea Sodomka und Ingrid Plum jeweils solo, Kristine Tjøgersen und das Tøyen Fil og Klafferi Quartet, Meriheini Luoto und das Trio Covered by Forest sowie mein Duo mit Zahra Mani vertreten sein.

Bei der Radiohommage auf ORF Ö1 Kunstradio (22. Oktober, ab 23:05 Uhr) werden Zahra Mani und ich »Elegy for Pauline«, meine Hommage an Pauline Oliveros, sowie Aufnahmen von Konzerten und CD-Einspielungen, wie z. B. »Embodiment/Deine Stimme in meinem Kopf«, »Post Paradise«, »Mondecho« etc., die in Zusammenarbeit mit Pauline entstanden sind, mit den Radiohommagen, die wir an Maia Urstad, DJ Spooky, Maria Chavez und Doug Van Nort in Auftrag gegeben haben, live mixen.

Das Austrian Cultural Forum New York hat eine großartige »Homages«-Serie ermöglicht, wo österreichische New Yorker MusikerInnen würdigen. Nachdem Deine Installation für Pauline Oliveros bereits beim musikprotokoll in Graz zu sehen war, kommt sie nun nach Wien. Handelt es sich dabei um die wunderschöne »Elegy for Pauline Oliveros« auf SoundCloud? Wie erfolgt die Präsentation?

Ja, genau! Es gab auch eine sehr schöne Rezension über die Klanginstallation in New York von Marc Weidenbaum. Wir werden das Werk wie gesagt im Rahmen der Radiohommage präsentieren.

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Mia Zabelka & Zahra Mani © smallforms


phonofemme Festival – »Hommage an Pauline Oliveros«
21. bis 22. Oktober 2017, Wien

www.facebook.com/phonofemme

Mia Zabelkas Pauline-Oliveros-Würdigung auf skug.at
www.skug.at/article8653.htm

Austrian Cultural Forum New York
www.acfny.org

Mia Zabelkas »Elegy for Pauline Oliveros« auf SoundCloud
www.soundcloud.com/miazabelkamusic

Marc Weidenbaums Rezension von Mia Zabelkas »Homage an Pauline Oliveros«-Klanginstallation im Austrian Cultural Forum New York
www.disquiet.com/2017/07/18/an-installation-for-oliveros/