David Helbock’s Random Control

»Tour d’Horizon«

ACT Records

Gegen Ende des Sommerlochs/der Sommerferien erinnert man sich ja an all die Dinge, die man eigentlich in der heißen Zeit unbedingt erledigen wollte, aber dann leider doch nicht geschafft hat. Ganz besonders bedauerlich ist da ein versäumtes Vorhaben, und zwar das ausführliche Hören des aktuellen Albums des Vorarlberger Pianisten David Helbock. Während sein Debut bei ACT Records (»Into the Mystic«, 2016) mit einem »gewöhnlichen« Trio, bestehend aus Klavier, Drums und Bass(-Ukulele) eingespielt wurde, bedient sich die Band Random Control hauptsächlich, neben dem Klavier natürlich, bei diversen Blasinstrumenten. Helbocks Mitmusiker sind Andreas Broger an den Saxofonen, Klarinetten und weiteren Holzblasinstrumenten sowie Johannes Bär an der Tuba, Trompete und diversen Blechblasinstrumenten. Keiner der Drei beschränkt sich jedoch auf die hier angeführten Instrumente, sondern ein jeder greift auch mal zu diversen Percussion-Instrumenten oder, wie im Fall von Johannes Bär, beatboxt. Genug jedoch dieser Erbsenzählerei, denn bei all der instrumentalen Diversität ist die Band eine unglaublich starke und zugleich flexible Einheit. Es gibt keine festgelegten Rollen, vielmehr werden Aufgaben wie Bassline, Melodie, Begleitung oder Ad-libing ganz unterschiedlich aufgeteilt. Mal stellt Helbocks linke Hand das melodische Grundgerüst dar, mal ist es Johannes Bär, der mit der Tuba mächtige Grooves vorgibt. Ebendieser gibt an anderer Stelle die Melodie vor, oft tut das aber auch Andreas Broger.

Blickt man auf die Tracklist von »Tour d’Horizon«, wird man wohl zunächst skeptisch, denn es sind einige Titel aus der Kann-man-eigentlich-nicht-mehr-machen-Schublade wie z. B. »Take five« oder »Spain« darauf zu finden. Davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen, denn die oben bereits beschriebene Vielseitigkeit der Combo schafft es, noch so oft gehörten Standards neues Leben einzuhauchen. Denn Helbock behält in seinen Arrangements zwar stets die Melodien sehr originalgetreu bei, alles darum herum ist jedoch variabel und wird somit variiert. Sei es das Weglassen einiger Pausen bei »Spain« oder die nur leichte Variation des Head-Hunters-Arrangements von »Watermelon Man«, diese Maßnahmen sind es, die »Tour d’Horizon« trotz altem Material so frisch klingen lassen. Ein ganz besonderes Highlight ist der bereits erwähnte Album-Closer »Take five«. Traditionsbewusst beginnen die Vorarlberger Musiker, das Stück mit einem alpenländischen Blasmusik-Intro (begleitet von wahrhaftigen Kuhglocken), das nach einer Überleitung aus Didgeridoo und Piano-Vamp in die äußerst dreckig gespielte, uns wohlbekannte Melodie eintaucht. Dann wechselt Andreas Broger auf das Sopran-Saxophon und der Song öffnet sich für kurze Zeit, nur um im darauffolgenden Solo wieder beklemmend eng zu werden.

Mit derartigem Ideenreichtum gespielt, erstrahlt »Take Five« nochmal in neuem Glanz und ist damit repräsentativ für das gesamte Album. »Tour d’Horizon« ist im Rahmen einer umgekrempelten Erkundung von Helbocks pianistischen Vorbildern wohl eines der interessantesten Alben ohne Eigenkompositionen der letzten Jahre geworden. Der ständige Instrumentenwechsel aller drei Musiker unterstreicht die völlig unterschiedlichen Herkünfte der ausgewählten Stücke und trägt damit zu einem farben- und facettenreichen Album bei, das vielerorts ordentlich Tiefgang hat und an anderen Stellen auch ganz einfach nur Spaß macht!