Membranes

»Dark Matter/Dark Energy«

Cherry Red

Man muss ja nicht, man kann ja nicht alles kennen. The Membranes etwa sind mir bisher weitgehend entwischt, obwohl ich durchaus ein Faible für trockenen Post-Punk habe. Gang of Four, Joy Division, The Wire oder The Fall, um nur ein paar Beispiele zu nehmen. Das Frühwerk der Membranes (gegründet 1977!) schlängelt sich irgendwo zwischen diesen musikalischen Slalomfahnen durch. Die Singles »Ice Age« oder »Fashionable Junkies« könnten z.B. ein glattes Crossover von The Wire und Joy Divison sein, andere Tracks hingegen mäandern eher in Richtung krachiger Räudigkeit, mehr Punk als Post also, aber es gibt auch fette Stücke, die in Richtung Wall of Sound deuten, z.B. »Myths and Legends«. Ein durchaus hörenswertes, auch heute noch entdeckenswertes Frühwerk also, das, auch aufgrund von Distributionsproblemen (der ewige Streit mit den Plattenfirmen), nicht immer den verdienten Weg zu den potentiellen Fans gefunden hat. Nach satten 25 Jahren Pause wagte man 2009 ein spätes, ein sehr spätes Comeback, dessen Studioresultat nun mit »Dark Matter/Dark Energy« vorliegt. Schon der Opener mit dem Titel »The Univers Explodes Into a Billion Photons of Pure White Light« macht klar, dass das hier kein kommerzieller Rentneraufguss ist, oder dass die vier Herren von zahnloser Altersmilde oder sonstigen Formen üblicher Rockdemenz befallen sind. Aber beeindruckender als die raue Gangart und die Kompromisslosigkeit sind die Spielfreude und der Einfallsreichtum der vier Herren rund um Mastermind John Robb. Die Presseaussendung schenkt nicht von ungefähr jedem einzelnen Track seine Aufmerksamkeit, »Dark Matter/Dark Energy« gewinnt von Track zu Track mehr an Kontur und wächst so nach und nach zu einem regelrechten Triumphzug heran. Das sind alles Mitfünfziger, verdammt! Kein Wunder, dass die britische Musikpresse vorab schon jubelte. »It should be shouted from the rooftops that is is much better than a Membranes LP in 2015 has any right to be«, zeigte sich etwa the Quietus (http://thequietus.com/) entzückt. Dieser Entzückung schließen wir uns gerne an. So klingt ein erwachsen gewordener Post-Punk, vollgesogen mit der alten Energie und Unbändigkeit, aber frei von jeder flapsigen Nostalgie. Ein Statement, ein Glücksfall, ein Genuss.