Canned Fit

»Cucharas de Arena«

Chmafu Nocords

»Sehr eingängige Experimentalmusik? Etwas sperriger Pop? Oder ist es gar anspruchsvolles Alleinunterhalterinnenprogramm für die Avantgardehochzeit, wo man IDM tanzt?« So steckt Christine Schörkhuber eigenhändig die Zaunpfähle und damit das Terrain für ihr neues Album »Cucharas de Arena« ab. Es ist ein Soloalbum und doch ein Album, in dem ganz viel Welt steckt. In Teheran, Bukarest, Buenos Aires, Haag, Istanbul oder am Schwarzen Meer hat die Künstlerin ihre Sounds aufgenommen, die von motorisierte Dosen, klingenden Ofenrohre, Metall, Glas, Tonscherben oder Stein erzeugt wurden. Da schimmert ein leichter Naturromantizismus durch, der zugleich einem gewissen Holismus die Hand reicht, schön sichtbar daran, dass sich Schörkhuber von so ziemlich allem inspiriert fühlt, was überhaupt als Musik bezeichenbar ist. Pop, Punk, Neue Musik, experimentelle Elektronik und dann doch auch … Fahrstuhlmusik. Ähm, gut. Das alles schwingt tatsächlich auch mit, jedoch von der Singer-Songwriterseite aufgezogen und ohne dass Schörkhuber MitmusikerInnen um sich schart, sondern eben ihren Zaubergarten an Sounderzeugungsmöglichkeiten. An dieser Schnittstelle trifft der Pop die Experimentalmusik, also eben dort, wo auch Popfreunde gefahrlos hineinhören und daran Gefallen finden können. Oder wie es ein britischer Kritiker schön formuliert hat: »Canned fit still leaves the windows open for listeners to come in.« Freunde von der experimentellen Fraktion könnten hingegen nörgeln, dass man Sandpercussions oder scheppernde Scherbentöne auch schon raffinierter verfugt gehört habe. Aber dann wär’s ja wiederum nicht so hübsch poppig. Ich persönlich stolpere eher über den Wohnzimmercharme der Songs, in denen allzu obligatorisch beengte Horizonte geöffnet, verstockte Herzen gerüttelt und globale Profiteure verdammt werden. Aber dann taucht wieder eine einfallsreiche Passage auf, wo das Spiel mit dem soundgetüftelten Pop wunderbar stimmig aufgeht, schon bin ich versöhnt und sogar bereit, mit Frau Schörkhuber einen Teelöffel Sonne von einer Wange zu essen. Sollten Sie auch mal probieren.