Conny Frischauf

»Die Drift«

Bureau B.

Conny Frischauf schreibt Melodien für Menschen, die sich nach einem Seuchenjahr noch g’spürn – oder wieder g’spürn wollen. Dafür muss man auf die Couch, denn die in Wien lebende Künstlerin und Musikerin triggert mit ihrer Debütplatte für Bureau B einen Flashback in die Kindheit. Bauklötze stapeln, Sand futtern, einfach nur existieren, ohne fürs TikTok-Portfolio performen zu müssen. Man kennt das, weil man’s schon wieder vergessen hat. Picasso soll gesagt haben, dass er ein ganzes Leben gebraucht habe, um wieder so malen zu können wie in der Regenbogengruppe. Conny Frischauf braucht dafür eine halbe Stunde. Drei BWL-Studis entzünden zwecks Zielgruppentargeting ein Freudenfeuer, wenn »Die Drift« im Kindergarten für Rudelbildung sorgt und gleichzeitig bei den Kolleg*innen auf FM4 versumpft. Altersempfehlung: vom ersten Milchzahn bis zur letzten Kukident-Tablette. Zehn Tracks bimmeln über Pop-Pisten, kreiseln in Sprachschleifen und bohren der Ästhetik des Mainstreams den Corona-Test in die Nase. Um drei Mal umzudrehen und das Gehirnstaberl wieder rauszureißen. Unkontrollierte Gesichtszüge. Tränen. Ein Gefühl, dass gerade so geil ist, dass man nach einer Woche wiederkommt, um sich vom nächsten Bundesheerler penetrieren zu lassen. Von vorne, nasal. Eh klar. Damit ist alles gesagt und nichts. Passt aber, weil alles in Bewegung ist. Immer. Der dialektische Schlendrian umarmt persönliche Integrität, die Liebe zum Alten setzt sich im Neuen zusammen, das Gedankenroulette rotiert. Rien ne va plus, nichts geht mehr. Die Kugel fällt. Die Scheibe dreht sich. Jemand schreit »Bingo«. Wir driften.