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Frühlingstreiben mit allem wertkonservativen Beigeschmack. Nesthäkeln zu zweit mit ökologisch korrekter Bioschurwolle. Wie irr in diesen breitblauen nördlichen Himmel stieren. Und am Horizont verwehen die pazifischen Winde den Hall einer Akustikgitarre. HA! Romantik! Oder was man 2004 darunter verstehen mag! Die eine Hälfte heißt jedenfalls Jessica Bailiff, hat drei der wunderschönsten independenten Songwriter-Alben der letzten Jahre erwerkt, allesamt in Partnerschaft mit Low, deren eigener Output dagegen manchmal blass aussah. David Pearce, der als Flying Saucer Attack wie kein anderer der Gitarre Tagtrauma und Nachtwandelschwere entlockt hat, ergänzt sie mit seinen Dröhnmeriten, ist sozusagen der Deckel für den Topf im fünführlichen Teegesäusel. Doch Drama. Sie in Amerika, er in England. Und ein ganzes Album nur Tape-Geschicke. Ist das der Safe Sex von heute? Körperkontakt nur über Breitband und FedEx. Und jedes laues Lüftchen im Zwischenmenscheln erreicht sofort die Öffentlichkeit? Ein Zweikampf der Giganten hätte es werden können. Ein Zusammenstoß der Urgewalten. Doch im transpazifischen Wechselgemoppel ging ein wenig Lust verschütt: Bailiff klingt anders als sonst nach verhuschter Kim Gordon, einer schüchtelnden Claudine Longet. Pearce verlässt sich zu oft auf das überlange Ausbreiten wärmenden Feedbacks. Und beste Momente erinnern auch nur an Bowery Electrics klassisches Beat-Album. Aber als nächstes ziehen sie zusammen. Dann wird alles wieder gut.

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Text
Paul Poet

Veröffentlichung
21.03.2004

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