Bernhard Schnur

»Atom«

plagdichnicht

Wo fängt man an, wenn eine Platte von Bernhard Schnur vor einem liegt? Schaut man in die 1990er zurück und doziert darüber, dass Snakkerdu Densk eine großartige Band waren, mit Hundertschaften von treuen Fans, die aber für den großen Schritt dann doch zu früh dran waren? Oder schaut man zuerst auf das Solowerk von Snakkerdu-Frontmann Bernhard Schnur zurück, der 2008 seine erste Songsammlung »Avril« vorlegte und seither unbeirrt seinen Weg geht? Und vor allem: Warum ist Schnur beinahe unbekannt? Er ist ein Mann, der an den Popsong glaubt und der wie kein anderer seine wahrlich staunende Weltsicht in einmalig stimmige Songs umsetzen kann. Wer ein Beispiel will, der kann sich »The Beauty of Electricity« auf seinem Debütalbum vornehmen und dann die Umwelt mit neuen Augen sehen. »Atom« ist die vierte Veröffentlichung in zehn Jahren und die Sorgfalt und Liebe, mit der das Cover gestaltet ist, setzt sich bei den Songs fort. Die fliegen Schnur in mehreren Sprachen zu und führen zum großen, sanften Titelsong »L’Atome« – Abschluss einer Songsammlung, die beweist, dass aus Schnur nie eine dieser jammernden Trauerweiden werden wird, sondern ein Charakterkopf, der Melodien schmiedet, die einen schnellen Popkracher wie »Danser Danser« genauso tragen wie ein Midtempo-Lehrstück wie »Breathe«. Die Lieder von Bernhard Schnur sind unschuldige Schätze, die nichts anderes im Sinn haben, als dem Guten und Schönen zu huldigen. Das einzige, was das potenzielle Publikum tun muss, ist diese offen herumliegenden Wunderdinge aufzuheben.

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