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»I was a dreamer – Staring out windows, Out onto the main street, ?Cos that’s where the dream goes«. Conor J O’Brien ist anno 2010 wahrlich kein Träumer mehr. Auf diesem Villagers-Debüt – die Band existiert eigentlich nicht, Conor hat bis auf die Streicher sämtliche Musik selbst eingespielt – ist er vielmehr auf der Suche nach Wahrheit und Ehrlichkeit. Er entlarvt Versprechungen der Jugend als haltlos, wie etwa in »Ship of Promises« oder dem Titelstück, das von der Verwandlung eines Jugendlichen in einen Erwachsenen handelt. Sein Drang zur Ehrlichkeit in den Texten ist in der Musikwelt nicht gerade weit verbreitet. In dieser Tradition stehen wenige Grö&szligen wie Johny Cash oder der andere Conor, zu dessen Projekt Bright Eyes Villagers durchaus Ähnlichkeiten aufweist. O’Brien agiert überhaupt recht radikal, indem er oft gänzlich auf Refrains verzichtet. Dazu passend die letzten beiden Zeilen von »Home«: »But For one tired old refrain – Can you hear me now?« Das ist mutig und löblich, allerdings nicht unproblematisch. Wenn ein Song fünf Minuten lang auf dem immergleichen Groove schwimmt und die Stimme das Selbe macht, dann wird es, bei allem Engagement, eintönig. Die Stimme des Protagonisten ist im Allgemeinen etwas ungewöhnlich, manche werden sie wohl deswegen lieben, andere können damit aber weniger anfangen. Das ist leider auch mein Problem mit diesem Album. Ich werde nicht warm mit seiner Stimme. Das grundsätzliche Problem des Villagers-Debüts sind die fehlenden Spannungsmomente in den Songs. Bei aller Lobhudelei für O’Brien, die es gegeben hat, die teilweise berechtigt ist, muss das ehrlich erwähnt werden. Die Verweigerung von Klischees und üblichen Mustern ist lobenswert, doch auch Verweigerung sollte stärker berühren und besser unterhalten als »Becoming A Jackal«.

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Text
Daniel Roy

Veröffentlichung
14.09.2011

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