Wim Mertens

At Home - Not at Home

Les Disques du Crepuscule

Kraftpackung New Wave Minimalia. Mertens, der seit 1980 tätige belgische Ausläufer amerikanischer Minimal Music (er schrieb auch das erste Grundlagenwerk zum Thema), zeigte sich zu der Zeit noch weit entfernt von der spröd-schöngeistigen Kammermusik mit Stimme, die er heute komponiert. Nach einem mit Flippern instrumentiertem Debüt, formierte er 1981 das von ihm diktierte Ensemble Soft Verdict, in dem unter anderem Peter Gordon als Saxophonist, Tuxedo Moons Peter Principle und Violinist Frans Vos dienten. »At Home – Not at Home« war die legendäre, noch von Avant Synthpop geprägte Debüt-Maxi, die hier mit vier damaligen Tracks und einer klassizistischeren Neueinspielung ergänzt wurde. Mertens? Parallele zu Michael Nyman ist durch beider Arbeiten für Greenaway offensichtlich: Repetitive Multi-Trackhektik mit gedoppelten bis verzehnfachten, leicht verschobenen Bläsersätzen, grell melancholischem Piano, Geschwindigkeitsverschiebungen. Nur wo Nyman sich großzügig im Zitatbaukasten dekonstruierter Klassik bedient, setzt Mertens auf Steve Reich?sches Äther-Meditieren. Und das kommt hier erfrischend nostalgisch mit Beatbox und Handclaps. Ein Z und zwei Nullen in der Bar Blue Curacao.