Planningtorock

»All Love's Legal«

Human Level Recordings

Eines vorweg: Wer von Musik keine Weisheiten präsentiert bekommen will, keine politische Agenda verlangt und ganz einfach botschaftsfreien Pop am liebsten hat, der oder die wird mit »All Love’s Legal« vermutlich Probleme haben. Denn neben dem wiederholt vorgebrachten Befund, dass jede Form der auf Einvernehmen beruhenden Liebe okay sei, will Jam Rostron alias Planningtorock vor allem die gängigen Gender-Rollen hinterfragen, was sich nicht nur in den Texten, sondern auch klanglich niederschlägt. Ihre Vorstellung von »queer sonics« verwirklicht die Künstlerin vor einem kargen Disco- und Dance-Hintergrund hauptsächlich durch Downpitching ihrer eigenen Stimme. Tatsächlich entwirft Planningtorock so einen geschlechtslosen Raum, der einige Fragen zur auch im Pop immer noch fröhliche Urständ feiernden Heteronormativität aufwirft. In seiner nüchternen Gesamtästhetik kann das Album allerdings nicht immer überzeugen. Paradoxerweise ist es genau die erfolgreiche Annäherung an ein von geschlechtlichen Wesensmerkmalen befreites Klangbild, die zum Scheitern von »All Love’s Legal« beiträgt: dadurch entsteht nämlich ein anorganischer Zwischenraum, zu welchem man als HörerIn nur schwer emotional Zugang findet. Am ehesten gelingt dies noch, wenn wie auf »Answer Land« oder »Steps« eine kühle Mystik gespenstische Lust auf mehr macht, doch viel zu oft ist »All Love’s Legal« entweder blutleer oder – wie im durch Beat-Presets vom Billigkeyboard verunstalteten »Let’s Talk About Gender Baby« – überhaupt ein Grund zum Fremdschämen.