OZmotic & Fennesz

»AirEffect«

Folk Wisdom

Ein Fingerkratzen im Erdenrund. Neugier des Hominiden, in Luftwabbern, Erdfurchen, Wasserspalten gegossen. In Folge: Sehr, sehr schön. »AirEffect« ist ein Konzeptalbum im an Konzeptalben nicht gerade armen Gefilde der Elektroakustik und der experimentellen, zum Jazz überlappenden Elektronica. Und verbreitet doch, wenn schon nicht immer Sinn, dann jede Menge Verve und Freude. Was es einem vermitteln will, ist Klangarchitektonik aus einer futuristischen Blackbox (Hallo, Chris Marker!), in deren Gurgeln, Found Sounds und Geräuschfetzen die Geochronologie des Anthropozäns wiedergegeben werden soll, jenes Zeitalters also, in dem der Mensch die ersten nachvollziehbaren Spuren seines Daseins auf dem Planeten hinterlassen hat. Say fucking what? Genau! Wonach es wirklich klingt, sind sieben entzückend entrückte Ambient bis Wave Beat-Tracks, auf dem das Turiner Multimedia-Komponisten-Duo OZmotic mit Austrias Own Christian Fennesz kollaboriert. Was für ein Zusammenspiel! So wie Fennesz gerade mit seinem sechsten Album »Becs« eines seiner größten Meisterwerke geschaffen hat, türmen sich auch hier seine subkutanen Fiep-Welten wolkenkratzerhoch und duellieren sich woll-lüstig mit dem süffigen No Wave-Galerien-KlingKlang der Italiener. Gerade das elegant süffige Sopran-Sax von Stanislao Lesnoj gibt der Sause die Anmutung von Tuxedomoon in ihrer Best-Phase. Cocktail-Tischchen-Avantgarde der allerumwerfendsten Sorte!