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Wolf Eyes

»Self Embalmed«

Psychic Sounds

Was wäre der US-amerikanische Noise-Underground ohne Wolf Eyes? Sicher, es gibt historische Vorgänger, wie die L.A. Free Music Society (LAFMS), aber das schmälert die Bedeutung von John Olson und Nate Young nicht, die früher auch mit Aaron Dilloway, Mike Connelly und James Baljo unterwegs waren, aber in jüngster Vergangenheit Wolf Eyes als Duo fortführen. Weit über einhundert Alben zählt Discogs, manche auf renommierten Labels wie Sub Pop veröffentlicht, andere in einstelliger Stückzahl mit handgemachten Artworks. In jedem Kellerloch haben sie Krach geschlagen – oder mit Größen des Free Jazz wie Anthony Braxton Festivalbühnen bespielt. Und sie machen einfach immer weiter bzw. sind einfach da, unverwüstlich wie Küchenschaben, die vieles kommen und gehen gesehen und alles überstanden haben. Sie lärmen seit über zwei Dekaden verlässlich und unverdrossen vor sich hin und bringen es dabei fertig, aller atonalen Aggressivität zum Trotz stets erkennbar und bei sich zu bleiben. Das ist bemerkenswert und auch »Self Embalmed« stellt unter Beweis, dass nur Wolf Eyes wie Wolf Eyes klingen. Harsch, aber kontrolliert, dissonant, aber stimmig sozusagen. Das verstrahlte und stets nicht unanstrengende Gedengel mutet zwar mitunter alptraumhaft und psychotisch an – gleichzeitig aber kommt im musikalischen Ausdruck von Wolf Eyes etwas Widerständig-Lebensbejahendes zum Tragen, das sie eher in die Nähe des Sun Ra Arkestra oder (nicht nur spirituell, sondern auch musikalisch passender) von Suicide rückt und weniger in der Nachbarschaft von notorisch aggressiv-transgressiven Kapellen wie Throbbing Gristle erscheinen lässt. Will sagen: John Olson und Nate Young schieben nicht so viel sozialkritisches Programm vor sich her, sondern basteln schelmenhaft und unverdrossen an ihrem esoterischen Privatuniversum herum. Das alles ist als Gesamtkunstwerk schwer zu greifen und nicht leicht zu beschreiben. Vielleicht teilt sich eher mit, was ich als (nicht nur musikalischen) Eindruck anzudeuten versuche, wenn man sich zusätzlich zur Musik noch vergegenwärtigt, was Inzane Johnny (John Olson) in sozialen Netzwerken so treibt. Doppelbödig bekiffter Unernst, ein mehrfach codiertes Hantieren mit und cooles Collagieren von Versatzstücken aus über fünfzig Jahren Nachkriegspopkultur zeichnet Wolf Eyes ebenso aus wie ein grundsätzlich souverän-kaltes Händchen für gruselige Maschinenmusik. Beides gehört zusammen, und jetzt liegt eine frische Arbeitsprobe zur Begutachtung vor.  

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
02.11.2026

Schlagwörter

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