Im Umfeld des französischen Labels Standard In-Fi blühen eigentümliche Bandprojekte wie Tanz mein Herz, France, La Novia oder eben Omertà, deren breites musikalisches Spektrum von Folk-Drone über Kraut- und Psychedelic-Rock bis hin zu verträumten Postrock-Chansons reicht, wie sie auf »Âmes Bleues« präsentiert werden. Wie muss man sich das vorstellen? Ungefähr so: Catherine Ribeiro wurde oft laut, aber manchmal behielt sie die Ruhe und der Sprechgesang von Florence Giroud erinnert mich an die weniger aufgewühlten, aber dennoch leidenschaftlichen Augenblicke der 2024 verstorbenen Ribeiro. Die Musik dazu ist überwiegend rhythmisch-fiebernd, tigert sozusagen um die dunkel grundierte, weiche Stimme von Giroud herum. So entstehen hypnotische Lieder, die mich an frankophile britische Bands wie Broadcast oder Stereolab und in ihrer Verspieltheit an Alben von Brigitte Fontaine oder obskure Progrock-Veröffentlichungen der 1970er-Jahre erinnern. Aber auch Spurenelemente von einlullendem Post-Punk à la The Cure zu Zeiten von »Seventeen Seconds« lassen sich im Klanggemisch von Omertà ausmachen. Will sagen: Je nachdem, wie tief man drinsteckt, kann man sich allerlei Referenzen herbeifantasieren, aber im Grunde ist das nebensächlich, denn die sieben entspannten Songs können sich ebenso und umstandslos in weniger historisch ausgekleideten Gehörgängen einnisten. Hinzu kommt noch die geschmackvolle Covergestaltung und fertig ist eine sehr ansprechende Veröffentlichung für den leicht vermoderten Spätherbst, die auch über die nasskalte Saison hinaus wärmen kann.
Omertà
»Âmes Bleues«
Carton Records / Standard In-Fi
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