Auf dem Cover des Albums sitzt ein naiv-krakelig gezeichnetes (und entfernt an Snoopy erinnerndes) Tierchen in einem Boot bzw. damit auf dem Trockenen. Vielleicht eine Referenz an den Titel des Albums und den darin genannten Umstand, dass Jakub Šimanský mit »Bez Niesnera« ein weiteres Album instrumentaler Gitarrenmusik ohne seinen Duettpartner Tomáš Niesner aufgenommen und veröffentlicht hat. Sowohl seine Soloalben wie auch die Musik im Šimanský-Niesner-Duo sind am American Primitive geschult, das ist offensichtlich. Einen eigenen Charakter gewinnt die Musik durch ihre gesunde Robustheit, die dadurch zum Ausdruck kommt, dass die Kompositionen zwar so melancholisch grundiert sind, wie man das im nostalgisch gefärbten Genre erwarten darf, aber die überwiegend flott vorgetragenen Kompositionen von Šimanský stets quicklebendig, gut gelaunt und leichtherzig wirken. Eine gewisse schrullige Unverwüstlichkeit und freundliche Zuversicht geben immer den Ton an. Im Begleittext zum Album klingen darüber hinaus Motive an, die diesen musikalischen Eindruck unterstreichen. Die Aufnahmen entstanden eingedenk der alltäglichen Seltsamkeit, die sich überall zeigt, wo Menschen Dinge tun, die ihren Mitmenschen nicht unbedingt sofort einleuchten. Wie das eben so ist, tagein, tagaus. Verschroben sind aber nicht nur die anderen. Šimanský weiß auch um seine eigene Kauzigkeit, und seine überwiegend akustische Musik, bittersüße Meditationen für Gitarre und Banjo, hängt in wortlosen Gedanken und Erinnerungen Begegnungen und Ereignissen nach, die einen liebevoll-solidarischen Blick auf schräge Vögel und ihre jeweiligen Lebensumstände werfen. Die Musik ist auf diese Weise einerseits Vehikel für eine sehr persönliche und teilweise versponnene Mythologie, die einen regional und biografisch spezifischen Ursprung hat – andererseits gemahnt sie aber gewissermaßen an Archetypen: Jede*r hat eine Lieblingssüßspeise, an der er oder sie sich bei der Großmutter glücklich fressen durfte, zum Beispiel. Aus dem Spannungsverhältnis von regionalen Dialekten und universalen Themen bezieht Folk-Musik stets ihre Kraft und immerwährende Faszination. Die Verbindung etwa zwischen dem »Backdoor Man« oder anderen zwielichtigen Charakteren in alten Blues-Legenden, John Faheys Katzenmenschen und den Sonderlingen in der tschechischen Provinz von Jakub Šimanský ist nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern ein Ariadnefaden, mithilfe dessen sich ein Weg heraus aus postmoderner Unübersichtlichkeit finden lässt. So bietet Musik alltagsnah und auf kunstvolle Weise überhöht Orientierung und Rat in allen Lebenslagen. Ist das nicht wunderbar?
Jakub Šimanský
»Bez Niesnera«
Self-release
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